15. Mai 2024

Tagung und Studientage CreAction: Interreligiöse Ansätze und Klimagerechtigkeit

Menschen hören zu bei der Tagung CreAction.

Ermöglichen Religionen neue Zugänge zu Umweltthemen? Steckt in ihnen eine Kraft, die jeden Einzelnen zum Engagement für das Klima bewegt? Welche Rolle spielen Religionsgemeinschaften in der sozio-ökologischen Transformation? Diesen und weiteren Fragen widmeten sich die Teilnehmer*innen der interreligiösen Studientage und der Tagung „CreAction“ vom 3.-5. Mai im Tagungshaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim.

 

Studientage

Reflexionen zu Klimagerechtigkeit

Im Zentrum der Studientage standen Einführungsseminare zum Thema Klimagerechtigkeit aus dem Blickwinkel der islamischen, christlichen und jüdischen Theologie. Sie richten sich an Studierende unterschiedlicher religiöser Hintergründe und theologischer Fachrichtungen, die Teilnehmer*innen kommen z.B. aus den Sprach- und Kulturwissenschaften und der Pädagogik. Seminarleiter*innen waren Jun.-Prof.in Dr. Yemima Hadad (Judaistik, Theologische Fakultät Leipzig), Dr. Dennis Halft OP (Lehrstuhl für Abrahamitische Religionen, Theologische Fakultät Trier) und Jun.-Prof.in Dr. Asmaa El Maaroufi (Zentrum für islamische Theologie, Universität Münster). Das Gespräch über die Rolle der Religionen im Nachhaltigkeitsdiskurs sowie über die thematischen Schnittstellen zwischen den Traditionen regte viele Diskussionen an und bot einen Raum für interreligiöse Reflexionen.

 

Drei Studierende und ein Dozent stehen im Halbkreis vor einem Flipchart. Im Hintergrund sitzen Studierende auf Stühlen.
Junge Menschen sitzen in einem Seminarraum auf Stühlen und diskutieren miteinander.

ökologische verantwortung

positive und negative wirkungen der religionen anerkennen

Während aus islamischer und jüdischer Perspektive die Betonung auf der Schöpfung als ein von Gott an den Menschen anvertrautes Gut liegt, wird aus christlicher Perspektive auf das Prinzip der Nächstenliebe als handlungsmotivierende Kraft für die Umwelt hingewiesen. Es wurde festgestellt, dass in den abrahamitischen Religionen ein ambivalentes Menschenbild im Verhältnis zur Umwelt vorliegt. Auch wenn in den heiligen Schriften von einer Dominanz des Menschen über Natur und Mitgeschöpfe die Rede ist, so sehen sie auch die Verantwortung des Menschen, Gottes Schöpfung zu schützen und zu bewahren (vgl. Genesis 2,15; Koran 30:41). Es ist wichtig, die positive Wirkung der Religionen anzuerkennen und gleichzeitig ihre negative Wirkung auf die Umwelt kritisch zu betrachten, wie z.B. durch historisch-religiöse Expansion und industrielle Ausbeutung.

Religionspraxis

interreligiöses begegnungslernEN

Neben den fachlichen Anregungen gab es für die Studierenden viel Raum für persönliche, interreligiöse Begegnungen und für den interdisziplinären Austausch. Sie stellten sich gegenseitig ihre eigene Religionspraxis vor, wie z.B. das islamische Freitagsgebet, die jüdische Schabbatfeier und das christliche Stundengebet. Dadurch erhielten sie auch praktische Einblicke in die unterschiedlichen Glaubenstraditionen.

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Vier Frauen sitzen an einem Tisch. Eine Frau spricht in ein Mikrofon, die anderen Frauen hören ihr zu.

Religionen und Klima-Aktivismus

Welchen Mehrwert bieten Religionen?

Die öffentliche Tagung ab Samstagnachmittag setzte die Impulse aus den theologischen Seminaren stärker in den Zusammenhang mit dem Thema  „Klima-Aktivismus“. Die Referentinnen Prof. Dr. Elisabeth Naurath (Universität Augsburg und Religions for Peace Deutschland e.V.), Yasemin Amber (Islamische Philosophie, Universität Münster) und Dr. Julia Blanc (Theologische Ethik, Universität Passau) beleuchteten das Engagement christlicher und islamischer Initiativen. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion stand die zentrale Frage, welchen Mehrwert die Religionen und religiöse Akteur*innen in den Nachhaltigkeitsdiskurs einbringen. Der Mehrwert der Religionen zeigt sich vor allem darin, dass der Glaube Moralvorstellungen sehr stark prägt und zu Verhaltensänderungen motivieren kann. Religionen können über rationale Zugänge hinaus emotionale Zugänge schaffen und mit unterschiedlichen Narrativen auf das Umweltbewusstsein hinauswirken, dafür muss das Thema aber auch stärker in die religiöse Bildung eingebracht werden.
Beim anschließenden „Gallery Walk“ stellten sich religiöse Initiativen wie Greenfaith Deutschland e.V., Green Shabbat und Christians for Future vor: Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, sich mit den Praxisakteur*innen persönlich auszutauschen und sich zu vernetzen.

Dimensionen der (UN-)Gerechtigkeit

Plädoyer für selbstreflexion

Am Sonntag waren die Teilnehmer*innen zu Themen-Workshops wie „Ökologische Spiritualität im Islam“, „Handlungsfelder religiöser Klimainitiativen“ oder „Bibeldidaktik in der Umweltbildung“ eingeladen. Dr. Boniface Mabanza Bambu (Referent der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA) thematisierte in dem Workshop „Globale Kilma(un-)gerechtigkeit“ die Auswirkungen des Klimawandels auf den globalen Süden. Er sprach nicht nur Klimaschäden an, sondern kritisierte auch die endlosen Menschenrechtsverletzungen der Massenkonzerne u. a. in der Textilindustrie und im Bergbau. Mit der Verbindung von Wirtschaftswachstum im globalen Norden und den Umweltschäden im globalen Süden wurden Dimensionen der (Un-)Gerechtigkeit verdeutlicht, die im Laufe der Tagung häufig zur Sprache kamen. Prof. Dr. Claus-Dieter Osthövener (Systematische Theologie und Geschichte der Theologie, Philipps-Universität Marburg) betonte in seinem abschließenden Vortrag die Verstrickung des Christentums in koloniale Vergangenheiten, plädierte für die Selbstreflexion und die Besinnung auf religiöse Prinzipien der Gerechtigkeit.

Referent*innen der Studientage und der Tagung:

  •  Yasemin Amber M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Islamische Philosophie mit dem Schwerpunkt islamische Ethik, Universität Münster
  • Nimrod Baratz M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrstuhl Judaistik, Theologische Fakultät, Universität Leipzig
  • Dr. Julia Blanc, Lehrstuhl für Theologische Ethik, Universität Passau
  • Hatice Çakılkum M.A., Gastwissenschaftlerin am Arbeitsbereich Islamische Philosophie und Ethik des Zentrums für Islamische Theologie, Universität Münster
  • Büşra Çebi M.A., Stiftung Weltethos
  • Ilyess El-Kortbi, Fridays For Future Ukraine
  • Prof. Dr. Julia Enxing, Professur für Systematische Theologie, Institut für Katholische Theologie, Technische Universität Dresden
  • Wanja Kirchhoff, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Abrahamitische Religionen, Schwerpunkt Islam und interreligiöser Dialog, Theologische Fakultät Trier
  • Dr. Boniface Mabanza Bambu, Referent der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA)
  • Prof. Dr. Elisabeth Naurath, Universität Augsburg, Professur für ev. Theologie, Schwerpunkt Religionspädagogik, Religions für Peace Deutschland
  • Prof. Dr. Claus-Dieter Osthövener, Professor für Systematische Theologie & Geschichte der Theologie, Institut für evangelische Theologie, Phillipps Universität Marburg

Tagungsleitung:

  • Dr. Theresa Beilschmidt, Bereich Interreligiöses und Gesellschaft, Stiftung Weltethos
  • Prof. Dr. Asmaa El Maaroufi, Zentrum für Islamische Theologie, Universität Münster
  • Prof Dr. Yemima Hadad, Institut für Judaistik, Universität Leipzig
  • Dr. Dennis Halft OP, Theologische Fakultät Trier
  • Dr. Christian Ströbele, Fachbereich Interreligiöser Dialog, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Die Tagung ist eine Kooperation der Stiftung Weltethos mit der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, mit der Theologischen Fakultät Trier, mit der Universität Leipzig und mit dem Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster.

Ein Mann steht an einem Rednerpult mit einem Laptop und mit Mikrofonen. Er wendet sich nach rechts, seine Hände sind zu einer erklärenden Geste erhoben.

Ansprechpartnerin

Haben Sie noch Fragen?

Dr. Theresa Beilschmidt
Bereich Interreligiöses und Gesellschaft
Tel.: +49 (0)7071 400 53 - 13
E-Mail: beilschmidt@weltethos.org