Häufig gestellte Fragen

Was sie schon immer von uns wissen wollten

Eine Gruppe von Zuhörern hört sich einen Vortrag an. Eine Person hat ihre Hand gehoben. Sie befinden sich in einem Seminar oder einer Sitzung und sitzen an einem Tisch. Sie schauen alle nach vorne. Männer und Frauen in legerer Business-Kleidung.

Nein, es ist ein ethisches Projekt, das von Religiösen wie Nichtreligiösen mitgetragen werden kann und soll.

Im Gegenteil. Es heißt, die Unterschiede in Lehren, Riten und Gebräuchen ernst zu nehmen und gerade deshalb die Notwendigkeit einiger gemeinsamer ethischer Normen allen Differenzen zum Trotz zu betonen.

Nein, denn zwischen den großen Weltreligionen fehlt ein gemeinsames Glaubensfundament. Ziel ist nicht die Einheit der Religionen, sondern Dialog, Zusammenarbeit und Frieden zwischen den Religionen – und dies auf der Basis gemeinsamer Werte.

Es geht beim Weltethos nicht um künstliche Vereinheitlichung. Es gründet vielmehr in der uralten Weisheit der Völker und in elementaren Lebensregeln, wie sie sich in der Evolution des Menschen herausgebildet und sich in verschiedenen religiösen und ethischen Traditionen der Kulturen niedergeschlagen haben.

Nein. Die Tora der Juden, die Bergpredigt der Christen, der Koran der Muslime, die Bhagavadgita der Hindus, die Reden des Buddha, die Weisheitssprüche des Konfuzius sind und bleiben natürlich die Grundlage für die Gläubigen aus den jeweiligen Religionen. 

Zweifellos gibt es große kulturelle Unterschiede bei der Realisierung ethischer Normen. Aber gewisse fundamentale ethische Maßstäbe gelten (oder sollten gelten) in allen Kulturen. Ob ein Gangster in Japan oder Süditalien mordet, ein Minister in Deutschland oder den USA Parlament oder Öffentlichkeit anlügt, ob ein Naturwissenschaftler seine Ergebnisse in Indien oder China fälscht, ob ein Wirtschaftsführer in New York oder Zürich Bilanzen manipuliert: er muss normalerweise mit dem Verlust seiner Glaubwürdigkeit und gesetzlichen Sanktionen rechnen.

Gerade nicht! Besonders die Betonung des Humanum und die Goldene Regel der Gegenseitigkeit finden sich schon fünf Jahrhunderte vor Christus bei Konfuzius. Und die vier weiteren ethischen Weisungen – nicht morden, stehlen, lügen, Sexualität missbrauchen – finden sich schon bei Patañjali, dem Begründer des Yoga, im buddhistischen Kanon und natürlich auch in der Hebräischen Bibel wie schließlich im Neuen Testament und im Koran. 

Ethos ist überhaupt eine sehr hilfreiche menschenfreundliche Angelegenheit: wie bei einer kurvigen Bergstrecke die Leitplanken, die nicht einengen, sondern helfen sollen, dass man einigermaßen sicher hinauf- und herunterkommt. Auch für Unternehmen sind ethische Regeln so etwas wie Leitplanken. Sie helfen den einzelnen Mitarbeitern, die sich darauf berufen können, wenn sie z. B. Korruption oder Lügen nicht mitmachen wollen. Wenn wir nur eine Globalisierung der Ökonomie, der Technologie und der Kommunikation und nicht auch eine Globalisierung des Ethos realisieren, dann haben wir keine Sicherheit, dass dies alles sich nicht zum Schaden der Menschheit ausweitet.

Ohne die Beachtung elementarer Menschenpflichten gibt es auch keine Realisierung der Menschenrechte. In allen asiatischen Kulturen ist ein Verkünden von Menschenrechten ohne Pflichten gegenüber dem anderen und der Gemeinschaft weithin wirkungslos. Und von den sittlichen Pflichten her lassen sich hier die Menschenrechte leichter verstehen und begründen. Als man dem indischen Friedensaktivisten Mahatma Gandhi seinerzeit den Entwurf der UN-Menschenrechtserklärung zu lesen gab, sagte er: „Der Ganges der Rechte entspringt im Himalaja der Pflichten!“ 

Tagtäglich berichten die Medien heutzutage darüber, wie die traditionellen ethischen Normen missachtet werden. Dennoch hat die Bewusstmachung ethischer Normen in Wissenschaft, Medien, internationalen Organisationen und besonders im Bereich der Erziehung Fortschritte gemacht. Es handelt sich beim globalen Ethos – ähnlich wie in Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau oder des Klimawandels – um einen langsamen und komplexen Bewusstseinswandel. Das Projekt Weltethos ist ein Langzeit-Projekt. 

Nein. Es gibt kein Gremium, das die Religionen weltweit repräsentieren könnte. Auch die meisten Religionen haben kein für die Mehrheit ihrer Anhänger*innen repräsentatives Gremium. Das erste „Parlament der Weltreligionen” war eine interreligiöse Zusammenkunft mit Vertreterinnen und Vertretern von damals 45 religiösen Vereinigungen und Gruppen. Sie fand 1893 am Rande der Weltausstellung von Chicago statt und gilt gemeinhin als der Beginn der interreligiösen Bewegung. Wirkmächtige Figur dieser Veranstaltung war der Hindu-Mönch Svami Vivekananda, Schüler des berühmten Hindu-Gelehrten Ramakrishna, mit seinem glühenden Plädoyer für gegenseitiges Lernen und Befruchten der Kulturen in Ost und West. Das zweite „Parlament der Weltreligionen“ – 100 Jahre später, ebenfalls in Chicago – erinnerte an dieses historische Ereignis. Dort wurde die „Erklärung zum Weltethos“ verabschiedet. Seither fanden in unregelmäßigen Abständen weitere solcher interreligiösen „Parlamente“ statt, unterdessen mit vielen tausend Teilnehmenden aus aller Welt.

Ethos ist überhaupt eine sehr hilfreiche menschenfreundliche Angelegenheit: wie bei einer kurvigen Bergstrecke die Leitplanken, die nicht einengen, sondern helfen sollen, dass man einigermaßen sicher hinauf- und herunterkommt. Auch für Unternehmen sind ethische Regeln so etwas wie Leitplanken. Sie helfen den einzelnen Mitarbeitern, die sich darauf berufen können, wenn sie z. B. Korruption oder Lügen nicht mitmachen wollen. Wenn wir nur eine Globalisierung der Ökonomie, der Technologie und der Kommunikation und nicht auch eine Globalisierung des Ethos realisieren, dann haben wir keine Sicherheit, dass dies alles sich nicht zum Schaden der Menschheit ausweitet. 

Es wäre ja schon viel, wenn es in manchen Fragen einen Minimalkonsens gäbe. Aber die ethischen Forderungen, die hinter dem Weltethos stehen, sind nicht minimal, sondern grundlegend, elementar, und das ist etwas ganz anderes. Schon das Zusammenleben jeder Familie setzt doch gewisse elementare Regeln voraus, beispielsweise, dass man sich nicht gegenseitig anlügt. Insofern sollten wir hier nicht von Minimalismus sprechen, sondern von elementaren Regeln.

Beide Begriffe werden oft gleich gebraucht. Aber wenn man sie genau versteht, dann meint Ethik eine Lehre vom moralischen Verhalten, also ein ethisches System – etwa die Ethik des Aristoteles oder die von Immanuel Kant. Für ein friedliches und gelingendes Zusammenleben ist es allerdings nicht notwendig, dass man sich auf ein bestimmtes ethisches System einigt. Mit Ethos ist etwas anderes gemeint: Nicht eine Lehre oder ein System, sondern die innere moralische, sittliche Grundhaltung eines Menschen, die sich nach bestimmten Normen und Maßstäben richtet. Eine Grundhaltung also, die das Handeln eines Menschen bestimmt. Und auf solche Grundhaltungen können, ja sollten wir uns für ein gutes Zusammenleben verständigen.

Ethos ist keine Ergänzung, sondern eine Dimension jeder Religion. Jede Religion umfasst ja erstens Lehren, Doktrinen, Dogmen verschiedenster Art, sie umfasst zweitens Riten, Rituale, Zeremonien und drittens eben Ethos. Und diese dritte Dimension spricht das Weltethos in besonderer Weise an. Das Weltethos will nicht die Lehren oder Riten ersetzen. Es will nur die gemeinsamen ethischen Standards deutlich machen. 

Der Dalai Lama steht, wie viele andere Religionsführer, hinter dieser Idee. Er hat am zweiten Parlament der Weltreligionen 1993 in Chicago teilgenommen und war der erste, der die dort veröffentlichte „Erklärung zum Weltethos“ unterzeichnet hat.

Ethos ist überhaupt eine sehr hilfreiche menschenfreundliche Angelegenheit: wie bei einer kurvigen Bergstrecke die Leitplanken, die nicht einengen, sondern helfen sollen, dass man einigermaßen sicher hinauf- und herunterkommt. Auch für Unternehmen sind ethische Regeln so etwas wie Leitplanken. Sie helfen den einzelnen Mitarbeitern, die sich darauf berufen können, wenn sie z. B. Korruption oder Lügen nicht mitmachen wollen. Wenn wir nur eine Globalisierung der Ökonomie, der Technologie und der Kommunikation und nicht auch eine Globalisierung des Ethos realisieren, dann haben wir keine Sicherheit, dass dies alles sich nicht zum Schaden der Menschheit ausweitet.