4. Mai 2026

Weltethos: 20 Jahre in Österreich

Helmut Schüller, der derzeitige Präsident der Initiative Weltethos, überreicht der ehemaligen Präsidentin Edith Diether einen großen, farbenfrohen Blumenstrauß. Beide stehen im Profil zueinander in einem gotischen Saal des Wiener Rathauses, während das Publikum im Hintergrund applaudiert.
Edith Riether und Helmut Schüller, Foto: Stiftung Weltethos

Die Initiative Weltethos Österreich feierte am 27. April 2026 ihr zwanzigjähriges Bestehen im Wiener Rathaus. Vertreter*innen aus Politik, Religion, Wissenschaft und Zivilgesellschaft kamen zusammen, um auf zwei Jahrzehnte ehrenamtlicher Arbeit für interkulturellen und interreligiösen Dialog zurückzublicken. Im Mittelpunkt des Abends stand eine Frau, die diese Initiative von Anfang an geprägt hat: Edith Riether, Gründerin und langjährige Präsidentin. 

DIE FRAU HINTER DER INITIATIVE

Es gibt Organisationen, die ohne eine bestimmte Person kaum denkbar wären. Bei der Initiative Weltethos Österreich ist das Edith Riether. Sie gründete die Initiative 2006, leitete sie über zwei Jahrzehnte ehrenamtlich und brachte die von der Stiftung Weltethos Tübingen konzipierte Wanderausstellung „Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos“ an 47 Orte in ganz Österreich: von Wiener Volkshochschulen und der UNO-City bis zu Universitäten in Salzburg und Innsbruck. In Kooperation mit dem Unterrichtsministerium organisierte sie außerdem einen Plakatwettbewerb zur Goldenen Regel in den Weltreligionen, aus dem 800 eingesandte Arbeiten von Schüler*innen hervorgingen.

Helmut Schüller, der neue Präsident der Initiative, würdigte ihre Arbeit und kündigte an, bestehende Projekte weiterzuentwickeln und neue Partnerschaften zu knüpfen. Riether selbst sprach ebenfalls, blickte zurück und skizzierte, wohin die Arbeit führen soll.

Edith Diether hält eine Rede an einem hölzernen Rednerpult, das mit den Wiener Landesfarben (Rot-Weiß) geschmückt ist. Hinter ihr steht Helmut Schüller, im Hintergrund sind die österreichische Flagge und die Europaflagge zu sehen.
Edith Riether, Foto: Stiftung Weltethos
Blick in die vollbesetzten Reihen der Jubiläumsfeier im Wiener Rathaus. In der ersten Reihe sitzt Edith Diether neben weiteren Gästen; das Publikum applaudiert in der beeindruckenden Architektur des saalähnlichen Raumes mit hohen Kreuzgewölben und großen Glasfenstern.
Jubiläumsfeier im Wiener Rathaus, Foto: Stiftung Weltethos

ZOLLER: WELTETHOS IST KEIN IDEAL, SONDERN EINE PRAXIS

Für die Stiftung Weltethos in Tübingen sprach Geschäftsführerin Lena Zoller. Sie erinnerte daran, was hinter der Idee eines globalen Ethos steht, die Hans Küng begründet hat: kein Appell an eine ferne Weltgemeinschaft, sondern ein Ansatz, der in Schulen, im gesellschaftlichen Miteinander und im konkreten Dialog wirksam werden muss. Angesichts wachsender Polarisierung brauche es gemeinsame ethische Grundlagen, auf die sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugung beziehen können. Die österreichische Initiative leiste dazu seit zwanzig Jahren einen eigenständigen Beitrag, als engagierter Teil des internationalen Netzwerks des Projekt Weltethos.

Den Festvortrag hielt Nils Goldschmidt vom Weltethos-Institut an der Universität Tübingen. Sein Thema: „Was hält die Gesellschaft zusammen? Die Weltethos-Idee in Zeiten des Umbruchs.“

BILDUNG ALS KERN DER PARTNERSCHAFT

Ein besonderer Schwerpunkt in der Zusammenarbeit zwischen Tübingen und Wien liegt auf der Bildungsarbeit. Die Wanderausstellung der Stiftung Weltethos, die Riether einst nach Österreich holte, ist gerade in einer frischen Neuauflage erschienen, jetzt unter dem Titel „Religionen – Werte – Frieden„. Sie richtet sich an Schüler*innen, Studierende und alle, die sich für interreligiösen Dialog und Wertefragen interessieren – von Religionsgemeinschaften über Volkshochschulen bis zur allgemeinen Öffentlichkeit.

Eine Sprecherin mit buntem Kopftuch steht am Rednerpult, während eine Gruppe von Männern und Frauen sowie Musiker im Hintergrund auf der Bühne stehen. Die Leinwand zeigt das Logo „Initiative Weltethos Österreich“. Helmut Schüller steht aufmerksam am rechten Bühnenrand.
Vertreter*innen unterschiedlicher Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sprachen Friedensworte, v. l. n. r.: Paul Tarmann, Erwin Bader, Wilfried Apfalter, Erika Erber, Amrit Bhatia, Heinz Anderwald, Amena Shakir (am Pult) und Helmut Schüller. Foto: Stiftung Weltethos
V. l. n. r.: Amrit Bhatia, Helmut Schüller, Amena Shakir, Edith Riether, Nils Goldschmidt, Lena Zoller, Odilo Noti und Erika Erber, Foto: Stiftung Weltethos

Das internationale Netzwerk des Projekts Weltethos

Der Jubiläumsabend brachte auch Vertreter*innen des internationalen Netzwerks des Projekts Weltethos zusammen. Neben Nils Goldschmidt vom Weltethos-Institut war Odilo Noti von der Stiftung Weltethos Schweiz anwesend.

Das Projekt Weltethos geht auf Hans Küng zurück. Er rief die Initiative 1990 ins Leben und gründete 1995 die Stiftung Weltethos. Grundlage ist die Überzeugung, dass Menschen weltweit trotz kultureller, religiöser und weltanschaulicher Unterschiede gemeinsame ethische Prinzipien teilen – das sogenannte Weltethos.
Getragen wird das Projekt von der Stiftung Weltethos, dem Weltethos-Institut sowie internationalen Partnerorganisationen wie der Schweizer Stiftung Weltethos und der Initiative Weltethos Österreich. Gemeinsam bilden sie ein offenes Netzwerk, das ethische Orientierung in Bildung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stärkt.