19. Januar 2026

Was interreligiöser Dialog bewirken kann und warum er für Demokratie unverzichtbar ist

Teilnehmende des Landeskongresses der Räte der Religionen 2025 in Offenburg stehen lächelnd um einen roten Stehtisch, auf dem ein Tablet liegt.
Teilnehmende beim Landeskongress der Räte der Religionen 2025 in Offenburg, Foto: Iris Rothe

Im Rahmen der Ringvorlesung „Brücken bauen in angespannten Zeiten – aber wie?“ des Weltethos-Instituts im Studium Generale der Universität Tübingen sprach Dr. Theresa Beilschmidt am 14. Januar über interreligiösen Dialog und Wertebildung. Im Vortrag zeigte die Mitarbeiterin der Stiftung Weltethos auf, warum Dialog mehr sein muss als ein gutes Gespräch und wo er ganz praktisch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt. 

WARUM INTERRELIGIÖSER DIALOG MEHR SEIN MUSS ALS EIN GESPRÄCH

Religiöse Vielfalt gehört heute zum Alltag vieler Menschen. Gleichzeitig fehlen oft Räume, in denen Unterschiede offen angesprochen und gemeinsame Werte ausgehandelt werden können. Dr. Beilschmidt wies darauf hin, dass interreligiöser Dialog oft als wichtig bezeichnet werde, in der Praxis aber häufig abstrakt bleibe oder auf symbolische Gesten beschränkt sei.

Im Vortrag machte sie deutlich, dass Dialog dann Wirkung entfaltet, wenn er in konkrete Zusammenarbeit mündet. Anhand von Projekten der Stiftung Weltethos zeigte sie, wie produktive Begegnung entstehen kann, wenn Religionsgemeinschaften gemeinsam Verantwortung übernehmen, etwa in kommunalen Netzwerken wie den Räten der Religionen oder im Feld der werteorientierten Demokratiebildung mit Projekten wie den Weltethos-Schulen und ImpACT. Dort gehe es nicht nur um Verständigung, sondern um gemeinsames Handeln im lokalen Umfeld.

WARUM DEMOKRATIE RELIGIÖSE VIELFALT MITDENKEN MUSS

Eine zentrale These des Vortrags lautet, dass interreligiöser Dialog und Wertebildung für Demokratiebildung unverzichtbar sind. Wer gesellschaftliche Teilhabe stärken will, muss auch die Werte, Traditionen und Deutungsmuster ernst nehmen, die für viele Menschen handlungsleitend sind. Dialog trägt dazu bei, Konflikte frühzeitig zu bearbeiten, Vertrauen aufzubauen und die Bereitschaft zur Mitgestaltung zu fördern.

Gerade in einer säkularen Gesellschaft ist dieser Austausch kein Widerspruch, sondern eine Voraussetzung für Zusammenhalt. Wenn Religion aus öffentlichen Debatten ausgeklammert wird, entstehen blinde Flecken, die Polarisierung eher verstärken als abbauen. Dialog zwischen und mit Religionen schafft dagegen Räume, in denen Differenzen sichtbar bleiben dürfen und trotzdem gemeinsame Lösungen entstehen können. Mit dem Beitrag in der Ringvorlesung des Weltethos-Instituts bringt die Stiftung Weltethos ihre Erfahrungen aus der Praxis in den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs ein und zeigt, wie werteorientierte Demokratiebildung auch unter schwierigen Bedingungen gelingen kann. 

Weitere Informationen zur Ringvorlesung „Brücken bauen in angespannten Zeiten – aber wie?“, veranstaltet vom Weltethos-Institut im Studium Generale der Universität Tübingen, finden Sie hier.

Ansprechperson

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Dr. Theresa Beilschmidt

Fachteam, Räte der Religionen
Tel.: +49 7071 400 53-13
E-Mail: beilschmidt@weltethos.org