23. September 2025
Stiftung Weltethos eröffnet neuen Sitz im ehemaligen Wohnhaus von Hans Küng
Die Stiftung Weltethos kehrt zurück an ihren Ursprungsort: Im ehemaligen Wohnhaus von Hans Küng in der Waldhäuser Straße 23 in Tübingen hat sie am 22. September 2025 ihren neuen Sitz eröffnet. Zum 30-jährigen Jubiläum richtet die Stiftung den Blick nach vorn – mit Projekten für Dialog, Vielfalt und Demokratie.
Ein Haus mit Geschichte und Zukunft
Dr. Stephan Schlensog, der ehemalige Geschäftsführer der Stiftung, erinnert an die bewegte Geschichte des Gebäudes: von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Küngs Einzug in den 1970er-Jahren über die Gründung der Stiftung 1995 bis hin zum umfassenden Umbau. „Dieses Haus hat eine bewegte Geschichte, hier wurde Theologie- und Stiftungsgeschichte geschrieben. Nun ist es wieder ein lebendiger Ort des Dialogs und des Zusammenhalts.“
Dank der großzügigen Förderung der Adolf Würth GmbH & Co. KG auf Initiative von Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth konnte das Gebäude energetisch saniert und modernisiert werden. Reinhold Würth blickte auf seine enge Verbindung zu Hans Küng zurück. „Wir fühlen uns mit Hans Küng sehr verbunden. Seine Ideen sind so weltumspannend und so groß.“ Und er fügte hinzu: „Eines ist mir klar: Die Menschen sind an sich gut. Das Zusammenleben könnte so einfach sein.“ Sein Wunsch für die Stiftung: „Dass sie sich weiterverbreiten kann. Jeder kann etwas dazu beitragen.“
Weltethos als Antwort auf Krisen und Vielfalt
Geschäftsführerin Lena Zoller macht deutlich, dass die Werte von Weltethos angesichts von Klimakrise, Krieg in Europa, wachsendem Nationalismus und dem rasanten Fortschritt der Künstlichen Intelligenz wichtiger denn je sind. „Wir brauchen Bildungsangebote, die Orientierung geben und Demokratie als Lebensform erfahrbar machen.“
Das Zielbild der Stiftungsarbeit ist klar: Religiöse und weltanschauliche Vielfalt soll als Stärke erkannt werden. Menschen, insbesondere junge, sollen sich selbstwirksam erleben und Demokratie als Lebensform gestalten, um sich gegen Menschenfeindlichkeit und für die demokratische Gesellschaft in ihrer Pluralität einzusetzen.
Als eine neue Projektidee stellt sie das Programm Weltethos-Kommunen vor, Städte und Gemeinden, die ihre wertebasierte Verwaltungskultur sichtbar machen und so Dialog, Vielfalt und Demokratie stärken. Zum Schluss rief Zoller zu Mut auf: „Mut ist der Schlüssel. Er öffnet Türen zu Dialog, Verantwortung und Zusammenhalt.“
30 Jahre Stiftung Weltethos
Für Prof. Dr. Bernd Engler, Präsident der Stiftung, ist die Eröffnung ein doppelter Meilenstein: die Einweihung des neuen Sitzes und das 30-jährige Jubiläum. Er verdeutlicht, dass der Leitgedanke von Hans Küng heute aktueller denn je sei:
„In Anbetracht verheerender Kriege und um sich greifender Menschenrechtsverletzungen gilt es auch weiterhin vor Ort und weit darüber hinaus für eine friedlichere und gerechtere Welt zu kämpfen, eine Welt, in der alle Menschen – gleich welcher Herkunft, Religion oder Kultur – ein menschenwürdiges Leben führen können. Wir treten ein für ein Miteinander, das auf alle Menschen verbindenden Werten gegründet ist.“
Besonders wandte sich Engler an die langjährigen Förderer und Partner der Stiftung. Ihr Engagement sei, so betonte er, ein unverzichtbares Bekenntnis zu einer offenen Wertegemeinschaft. „Mit Ihrer Unterstützung tragen Sie dazu bei, dass die uns verbindenden kulturellen Werte in ihrer Vielfalt gelebt werden können – und dass die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt nicht versiegt.“
Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi fordert interreligiöse Bildung für Toleranz
Auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin Dr. Shirin Ebadi, die 2005 bereits eine Weltethos-Rede hielt, erinnert in ihrem Impuls an die Bedeutung religiöser und weltanschaulicher Vielfalt: „Jede Religion – und auch der Atheismus – hat etwas, das sie zur Welt beitragen kann. Wenn wir Kindern von klein auf beibringen, dass es unterschiedliche Religionen und Überzeugungen gibt, wächst Toleranz.“ Sie ist davon überzeugt: Hans Küngs Geist ist in diesem Haus stets anwesend.
Die Stiftung dankt an dieser Stelle dem Neuen Kunstmuseum Tübingen. Bernhard Feil und Sascha Hellen haben den Kontakt und die Organisation des Besuchs von Dr. Ebadi übernommen.
Ausblick
Mit dem neuen Stiftungssitz, dem Jubiläum und zahlreichen Projekten blickt die Stiftung Weltethos in eine Zukunft, in der sie ihre Vision weitertragen will. Eine Welt, in der Vielfalt geschätzt, Menschenwürde geachtet, Begegnungen von Dialog geprägt und demokratische Teilhabe selbstverständlich gelebt werden.
„Weltethos ist keine Idee von gestern, sondern eine Haltung für heute und eine Hoffnung für morgen.“
Lena Zoller, Geschäftsführerin der Stiftung Weltethos