1. April 2026
„Hier können wir eh nichts ändern“ – und dann doch
„Ich dachte immer, wir können hier eh nichts verändern.“ Viele Jugendliche kennen dieses Gefühl. Beim Projekt ImpACT erleben Schüler*innen das Gegenteil: Sie diskutieren, stimmen ab und planen gemeinsam, was sie verändern wollen. Hier wird Demokratie zu einer konkreten Erfahrung.
„HIER KÖNNEN WIR EH NICHTS ÄNDERN."
Die Schüler*innen einer Klasse aus dem Kreis Tübingen sitzen auf ihren Plätzen. Einige wirken müde, andere misstrauisch. Ein Schüler spricht später aus, was viele an diesem Morgen denken: „Ich dachte immer, wir können hier eh nichts verändern.“ Der Workshop-Tag des Projekts ImpACT der Stiftung Weltethos beginnt trotzdem, oder genau deshalb.
Die ersten Übungen sind bewusst niedrigschwellig. Die Klasse rät das Lieblingsessen der Teamer*innen, positioniert sich zu Fragen wie „Hast du Geschwister?“ auf verschiedenen Seiten des Raums. Zum ersten Mal hören viele, was die anderen wirklich denken. Eine Schülerin erfährt, dass ihre Sitznachbarin vier Sprachen spricht. Beim Speed-Interview reden die Teilnehmenden darüber, welche Superkräfte sie sich wünschen, was Respekt für sie bedeutet und worauf sie stolz sind. Es wird gelacht und diskutiert.
WAS MECKERN MIT DEMOKRATIEBILDUNG ZU TUN HAT
Dann kommt die Mecker-Runde. Hier darf laut gesagt werden, was stört, was fehlt, was nervt. Erst zögerlich, dann immer offener, bis nach Herzenslust gemeckert wird und der Raum sich mit Stimmen füllt.
Aber das Meckern bleibt nicht stehen. Im nächsten Schritt geht es darum, aus Kritik Ideen zu machen: Was wollen wir verändern? Was ist realistisch, und wer profitiert davon? Es wird kurz chaotisch, viele wollen gleichzeitig sprechen, aber dann kommt jede*r zu Wort. Am Ende wird abgestimmt.
Das Ergebnis: Ein leerer Klassenraum soll zum Relaxraum werden. Ein Ort zum Entspannen, Reden und Zusammensein, für alle.
Plötzlich ist Energie im Raum
Jetzt wird geplant. Die Klasse teilt sich in Gruppen auf. Eine kümmert sich ums Raumdesign, eine andere überlegt, welche Spielmöglichkeiten es für die jüngeren Schüler*innen geben könnte. Die Stimmung hat sich gedreht.
„Ich fühle mich gehört von der ganzen Klasse“, sagt Angelos. Die Lehrkraft beobachtet eine ähnliche Veränderung: „Sie haben gebrannt für die Ideen, die sie sich selbst überlegt haben. Jeder einzelne hat gezählt und konnte mitwirken.“
„Ich habe gelernt, meine Meinung zu sagen. Und dass man auch wirklich etwas daraus machen kann.“
Xenia, Schülerin
Genau das ist der Moment, auf den ImpACT zielt. Ein zentrales Ziel des Projekts ist die Stärkung von Selbstwirksamkeit: die innere Überzeugung, dass man selbst in der Lage ist, etwas anzugehen, dass man die Fähigkeiten hat, um aktiv zu werden. Nicht die Hoffnung, dass etwas passiert, sondern das Zutrauen in sich selbst, das dem Handeln vorausgeht.
Erst der Anfang
Der Relaxraum existiert am Ende des Workshop-Tages nur auf dem Papier. Aber die Klasse hat jetzt ein gemeinsames Ziel, und die Schüler*innen haben erlebt, dass ihre Stimmen dazu beigetragen haben.
Ein paar Wochen später kommt das ImpACT-Team zurück. Die nächsten Schritte werden geplant, Erfahrungen reflektiert und die Frage vertieft, was das alles eigentlich mit Demokratie zu tun hat.
Projektleitungsteam Impact
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Susanne Jahn
E-Mail: jahn@weltethos.org
Mathias Oppermann
E-Mail: oppermann@weltethos.org