5. Dezember 2025
Globale Ungleichheit im Fokus: Nils Goldschmidt bei der Weltethos Lecture in Luzern
Nils Goldschmidt beleuchtete in der Hans Küng – Weltethos Lecture an der Universität Luzern die Herausforderungen globaler Ungleichheit. Er zeigte dabei Wege auf, wie Gerechtigkeit durch Chancen, Verantwortung und Kompromissfähigkeit im Alltag und in der Politik konkret umgesetzt werden kann.
GLOBALE UNGLEICHHEIT IM FOKUS
Am 26. November 2026 fand an der Universität Luzern die 4. Hans Küng – Weltethos Lecture statt. Prof. Dr. Nils Goldschmidt, Direktor des Weltethos-Instituts in Tübingen, sprach über eines der drängendsten ethischen Themen unserer Zeit: globale Ungleichheit. Damit knüpfte er direkt an die weltethische Vision von Hans Küng an.
Goldschmidt machte deutlich, dass globale Gerechtigkeit nicht allein eine Frage der Umverteilung ist. Vielmehr müsse der Fokus auf den Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen und Gesellschaften liegen. Seine zentrale These: Gerechtigkeit entsteht dort, wo Menschen reale Chancen erhalten, ihr Leben in Würde und Selbstbestimmung gestalten können.
FÜNF IMPULSE FÜR EINE ZEITGEMÄSSE GERECHTIGKEITSDEBATTE
Ausgehend von seinem Buch „Gerechtigkeit“ präsentierte Goldschmidt fünf Impulse aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft:
- Biologische Gleichheit (Christiane Nüsslein-Volhard): Ausgangspunkt menschlicher Würde
- Gestaltungsspielräume für Verteilung (Werner Plumpe): Wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssen fair sein
- Chancen schaffen (Martha Nussbaum): Entwicklungsmöglichkeiten sind entscheidend für Gerechtigkeit
- Den anderen „riechen können“ (Bischof von Hildesheim): Soziale Nähe und Anerkennung sind unverzichtbar
- Gerechtigkeit beginnt bei uns selbst (Neven Subotic): Verantwortung ist immer auch persönlich
Diese Impulse zeigen, dass Gerechtigkeit kein abstrakter Zustand, sondern eine konkrete Praxis ist, die im Alltag beginnt.
FÜNF EINSCHÄTZUNGEN ZUR POLITISCHEN GESTALTUNG
Goldschmidt formulierte zudem fünf Einschätzungen, wie politische und gesellschaftliche Akteure Herausforderungen der Ungleichheit begegnen können:
- Radikale Probleme benötigen nicht zwingend radikale Lösungen
- Behutsamkeit ist eine politische Tugend
- Toleranz, Kompromiss und Anerkennung beginnen vor Ort
- Vertrauen in die Vielen – nicht nur in große Unternehmen
- „Second-best ist erste Sahne“: Es gibt keine perfekte Lösung, sondern viele gute Wege im komplexen Miteinander
Besonders der letzte Punkt unterstreicht die Notwendigkeit realistischer, gemeinschaftlich verantworteter Lösungen.
Am Ende seiner Lecture betonte Goldschmidt eine zentrale Korrelation: Gesellschaften, die Kompromissfähigkeit stärken, schaffen bessere Bedingungen für Gerechtigkeit. Sein Fazit: Vom Konsens zum Kompromiss – und vom Kompromiss zum Prinzip der Gerechtigkeit.
Die Hans Küng – Weltethos Lecture würdigt das intellektuelle Erbe und die globale Vision des Stiftungsgründers. Nils Goldschmidt hat eindrücklich gezeigt, wie relevant weltethische Perspektiven für die Debatten unserer Zeit sind und wie sie Orientierung bieten können in einer Welt, die nach Gerechtigkeit und Zusammenhalt sucht.
Hans Küng – Weltethos Lecture
Die Vorlesungsreise wird gemeinsam von der Weltethos Stiftung Schweiz, dem Ökumenischen Institut und dem Institut für Sozialethik der Theologischen Fakultät der Universität Luzern organisiert. Ziel der Reihe ist es, die Anliegen, Grundsätze und Themen des Weltethos-Projekts vorzustellen, zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
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