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Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Blankenese
 
‹‹- Projekte der Stiftung

 
»Weltethos-Gemeinde« Blankenese
 
Die Beschäftigung mit dem Thema Weltethos und die im Leitbild der Kirchengemeinde gewollte Zusammenarbeit mit der Stiftung Weltethos und ihrem Projekt, sowie die Bezeichnung unserer Gemeinde als »Weltethos-Gemeinde« haben zu manchen Fragen, zu manchen Befürchtungen und auch leider zu manchen Unterstellungen geführt.
 
Es wurde gesagt, wir sollten uns auf unseren eigenen Glauben besinnen, es wurde sogar befürchtet, wir wollten unsere evangelisch-lutherische und christliche Identität zugunsten der Weltethos-Idee oder zugunsten eines aus dem Dialog mit anderen Religionen resultierenden »Religionen-Mischmaschs« aufgeben.
 
Demgegenüber gilt es zu betonen: Wer einen Dialog führt, wird seine Position äußern und das Gehörte reflektieren, wird Reflektion und Sprachfähigkeit des Glaubens einüben. Achtung und Verständnis vor den anderen Positionen werden wachsen, und die eigene Position wird sich deutlicher herausformen. Das ist die Verheißung des Dialogs.
 
Für uns in Gemeinde und Weltethosgruppe bedeutet dies vor allem Beschäftigung mit Judentum und Islam als Kindern Abrahams. Dieser vorausgehend geht es uns um die Förderung einer Gesprächsbereitschaft und, dieser vorausgehend, um eine grundsätzliche Offenheit, ja Wertschätzung jeder anderen Religion gegenüber.
Und hier haben wir alle noch zu lernen. Die Außenansicht einer jeden Religion ist oft genug abstoßend oder sogar hässlich. Sie beruht meist auf den schlechtesten Erfahrungen, die wir mit den jeweils anderen gemacht, auf den schlimmsten Zitaten, die wir aus dem Munde Andersgläubiger gehört haben. Und von daher meinen manche, sie könnten eine Religion be- oder gar verurteilen.
 
Wie aber sollten wohl andere Religionen über uns Christen denken, wenn es von Jesus heißt: »Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.« (Mt 10,34). Oder wenn in den Gottesdiensten der Christen »von den scharf geschliffenen Waffen der ersten Christenheit« gesungen und diese herbeigewünscht werden (EG 136,2)?
 
Wollen wir unseren Glauben auf solche Zitate einschränken lassen? Wollen wir zulassen, dass andere Religionen solcherart eingeschränkt werden? Oder gilt das, was für die anderen gilt, nicht für uns (weil wir ja schließlich den wahren Glauben haben)? Es hilft uns nur, von unserem Glauben her mit der Offenheit und Weite Jesu in das Gespräch zu gehen, mit denen er selbst Menschen anderer Religion entgegentrat. Diesen Schritt auf die anderen zu halte ich für unbedingt notwendig und ich sehe keine Alternative dazu.
 
In den letzten Jahren haben wir lernen können von den Vertretern der Stiftung Weltethos, die unsere Gemeinde besuchten: Walter Lange führt seit Jahren einen Konfirmandentag durch und arbeitet dabei mit der Ausstellung »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos«; Prof. Häring und Prof. Kuschel waren bei uns in Blankenese und zuletzt auch Prof. Küng.
Was Prof. Häring schon 2004 bei seinem Vortrag »Abrahams Kinder« in unserer Gemeinde sagte, gilt heute noch: »Die inhaltliche Verwandtschaft zwischen Christentum, Judentum und dem Islam ist zu groß, als dass wir mit einem Achselzucken darüber hinweggehen könnten.
 
Es gibt für den Trialog unserer Religionen einen gemeinsamen Ausgangspunkt: Juden, Christen und Muslime erinnern sich an den gemeinsamen ›Stammvater‹ Abraham. […] Es geht um den unbedingten Glauben an den Einen Gott und um das Bekenntnis dieses Glaubens, um einen untrüglichen Sinn für Gerechtigkeit sowie – gleichzeitig – um den Gott der Barmherzigkeit. Es geht um eine tiefe Ehrfurcht vor dem Gott, der unaussprechlich und uns Menschen zugleich näher ist als unsere Halsschlagader (Sure 50,16). Es geht schließlich um einen leidenschaftlichen Glauben, der die Welt zum Guten, zur friedvollen Versöhnung wenden will …«
 
In diesem Sinne haben wir angefangen, die Grundlagen für ein besseres Verständnis der anderen Religionen in unserer Gemeinde zu schaffen und einen Dialog zwischen den Religionen aufzunehmen. Freundschaftliche Beziehungen sind entstanden zur islamischen Gemeinde im Hamburg Schnelsen und zur jüdischen Gemeinde in Pinneberg, zweimal im Jahr feiern wir ein Friedensgebet der Religionen. Ziel ist dabei niemals eine einheitliche Weltreligion jenseits aller bestehenden Religionen noch eine Mischung aus allen Religionen. Vielmehr geht es, wie es die Erklärung des Parlamentes der Weltreligionen zu einem Weltethos formulierte, »um einen Grundkonsens bezüglich verbindender Werte, unverrückbarer Maßstäbe und persönlicher Grundhaltungen«. Dabei die Gemeinsamkeiten unseres jeweiligen Glaubens zu entdecken und die Unterscheide geschwisterlich zu benennen, führt zu einem besseren Miteinander und zu einer Vertiefung des jeweils eigenen Glaubens.
 
Unser Gemeindeleben ist bunter und vielfältiger geworden; das Verständnis des eigenen Glaubens tiefer: Dieser christliche Glaube aber hat sich geformt und entwickelt in Auseinandersetzung mit anderen Religionen, so wie es schon der jüdische Glaube tat. Und jede Auseinandersetzung mit einem anderen Gottesbild und einer anderen Weltsicht hat im christlichen Glauben seine Spuren hinterlassen – schon im Neuen Testament. Glaube lernt vom Glauben, Glaube weitet sich durch Glauben – auch heute noch. Und Glaube zieht auch seine Grenze zum Glauben.
 
Hinter das Bekenntnis zu Gott, wie Jesus von Nazareth ihn glaubte, lebte und feierte, will keiner zurück – nur: wer will sagen, sie oder er hätte dieses Bekenntnis schon in seiner ganzen Tiefe und Schönheit erfasst? Wer wäre nicht glücklich und würde staunen über den großen Gott, wenn sich in anderen Religionen auch etwas von seiner Größe und Güte spiegelte, und wenn wir gemeinsam entdecken würden, dass uns gemeinsame ethische Werte verbinden? Wer würde nicht ganz neu auf das jeweils Eigene sehen, wenn er es auch woanders entdeckt hat? Wer könnte ernsthaft dagegen sein, wenn sich die großen Religionen nicht kriegerisch, sondern freundlich und offen begegneten? Ein Traum? Vielleicht, aber wie Dom Helder Pessoa Camara richtig sagte: »Wenn einer allein träumt, dann bleibt es ein Traum. Wenn aber alle gemeinsam träumen, dann wird es Wirklichkeit.«
 
Es hat sich eine Arbeitsgruppe Weltethos in unserer Gemeinde gebildet. Sie trifft sich regelmäßig, um aktuelle Themen zu diskutieren und konkrete Projekte vorzubereiten. Die Ausstellung »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos« ist angeschafft worden und kann von anderen Gemeinden, Schulen oder sonstigen Institutionen ausgeliehen werden.
 
Und schließlich wurde im Pastorat ein Weltethos-Zimmer eingerichtet, in dem die Ausstellung in der Postervariante angesehen werden kann. Dort stehen auch Materialien zu den Themen »Weltethos« und »interreligiöser Dialog« zur Ansicht und zum Studium bereit. Eine Präsenzbibliothek ist im Aufbau und kann im Weltethos-Zimmer von Lehrern, Schülern und anderen Interessierten genutzt werden. Hinter alldem steht die Idee: Wir wollen andere Religionen und ihren Reichtum kennen lernen, und gemeinsam für ein von Offenheit und Vertrauen geprägtes Miteinander der Religionen und Kulturen eintreten.

Klaus-Georg Poehls
Referent der Stiftung Weltethos
und Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Blankenese
Mühlenberger Weg 68
22587 Hamburg
Tel. 040 – 866 250 25
E-Mail: klaus.poehls@blankenese.de

 

  

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