Ein
Ort zum Experimentieren für Menschen aller Religionen
RADOLFZELL (lsw). Ein einzigartiges Zentrum für den Dialog der Weltreligionen
soll in Radolfzell am Bodensee entstehen. Zu den wichtigsten Ideengebern
gehört der Tübinger katholische Theologe Hans Küng.
Das so genannte Weltkloster wurde am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit
vorgestellt. »Friede unter den Religionen ist die unbedingte Voraussetzung
für einen Frieden unter den Nationen«, betonte Küng, der
1995 die Stiftung Weltethos an der Tübinger Universität gegründet
hat, vor mehreren hundert Gästen aus dem In- und Ausland.
Mit dem Weltkloster sollen nun die Ideen des Weltethos umgesetzt werden.
Küng sprach von einem »Experimentier- und Lernort« für
Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen, die ausloten, ob
sie miteinander beten und meditieren können. Vorgesehen sei ein
spirituelles Zentrum nicht nur für religiöse Menschen. Immer
mehr Geschäftsleuten, Politikern, Wissenschaftlern oder Künstlern
gehe es nicht mehr nur um Geld und Karriere, sondern auch um eine tiefere
Dimension des Lebens, sagte Küng.
Zu dem Komplex sollen als Herzstück eine Kommunität gehören,
in der Angehörige unterschiedlicher Religionen und Kulturen eine
bestimmte Zeit zusammen leben, eine Akademie und ein 110-Zimmer-Hotel.
Die Anlage soll bis 2005 auf dem Areal eines früheren Kapuzinerklosters
am Seeufer entstehen und 25 Millionen Euro kosten.
Das Projekt gliedere sich in zwei Bereiche, erläuterte Bürgermeisterin
Isabel Fezer. Eine Stiftung, deren Gründung noch vor Jahresende
geplant sei, ist für die geplante Kommunität verantwortlich.
Eine Aktiengesellschaft soll Akademie und Hotel wirtschaftlich betreiben.
Für die Finanzierung hofft die Stadt Stifter, Sponsoren und Aktionäre
zu finden. Das Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters, auf dem
später eine Weinhandlung stand und das heute brach liegt, ist seit
1987 im Besitz der Stadt Radolfzell. Bauträger soll die Livit AG
sein, ein Tochterunternehmen der Schweizer Rentenanstalt.
Alle drei Säulen seien der Grundidee der Erklärung zum Weltethos
verpflichtet, die 1993 von einem Parlament der Weltreligionen in Chicago
verabschiedet wurde, betonte Fezer. »Handle anderen gegenüber
so, wie du selbst behandelt werden möchtest«, lautet die Maxime
der Erklärung. Sie beinhaltet auch die Verpflichtung zu Gewaltfreiheit,
Solidarität, Toleranz und Gleichberechtigung.
Die religiöse Lebensgemeinschaft soll mit einer kleinen christlich-ökumenischen
Gruppe beginnen und später die übrigen Weltreligionen wie Islam,
Judentum, Buddhismus oder Hinduismus einbeziehen. Die Akademie will ihr
Schwergewicht auf Kooperation mit Schulen legen, aber auch Führungskräfte
aus Politik und Wirtschaft aus aller Welt zu Symposien und Seminaren
zusammenbringen. »Wir brauchen einen ethischen Kompass für
die Arbeit«, sagte die Leiterin der Kommunität, Sibylle Ratsch
vom St.-Katharina-Werk Basel.
Stadt Radolfzell: http://www.radolfzell.de
Weltkloster: http://www.weltkloster.de
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