Am Bodensee entsteht ein Weltkloster
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Auf Initiative der Stadt Radolfzell/Bodensee soll dort bis 2005 ein »Weltkloster« entstehen: eine Kommunität, in der jeweils auf 1–2 Jahre Menschen verschiedener Religionen zusammenleben, verbunden mit einer Akademie für interkulturelle und interreligiöse Bildungsarbeit und einem Hotel.

Geistige Grundlage des Weltklosters ist das Projekt Weltethos auf der Basis der Erklärung von Chicago. Die Stiftung beriet die Initiatoren bei der Entwicklung des inhaltlichen Konzepts und dessen öffentlicher Präsentation; in die Realisierung und Finanzierung des Projekts ist sie nicht involviert.
 

Pressekommentar
Am Bodensee entsteht ein Weltkloster

Stuttgarter Zeitung, 4. Oktober 2002
 

Ein Ort zum Experimentieren für Menschen aller Religionen
 
RADOLFZELL (lsw). Ein einzigartiges Zentrum für den Dialog der Weltreligionen soll in Radolfzell am Bodensee entstehen. Zu den wichtigsten Ideengebern gehört der Tübinger katholische Theologe Hans Küng.

Das so genannte Weltkloster wurde am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. »Friede unter den Religionen ist die unbedingte Voraussetzung für einen Frieden unter den Nationen«, betonte Küng, der 1995 die Stiftung Weltethos an der Tübinger Universität gegründet hat, vor mehreren hundert Gästen aus dem In- und Ausland.
Mit dem Weltkloster sollen nun die Ideen des Weltethos umgesetzt werden. Küng sprach von einem »Experimentier- und Lernort« für Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen, die ausloten, ob sie miteinander beten und meditieren können. Vorgesehen sei ein spirituelles Zentrum nicht nur für religiöse Menschen. Immer mehr Geschäftsleuten, Politikern, Wissenschaftlern oder Künstlern gehe es nicht mehr nur um Geld und Karriere, sondern auch um eine tiefere Dimension des Lebens, sagte Küng.

Zu dem Komplex sollen als Herzstück eine Kommunität gehören, in der Angehörige unterschiedlicher Religionen und Kulturen eine bestimmte Zeit zusammen leben, eine Akademie und ein 110-Zimmer-Hotel. Die Anlage soll bis 2005 auf dem Areal eines früheren Kapuzinerklosters am Seeufer entstehen und 25 Millionen Euro kosten.

Das Projekt gliedere sich in zwei Bereiche, erläuterte Bürgermeisterin Isabel Fezer. Eine Stiftung, deren Gründung noch vor Jahresende geplant sei, ist für die geplante Kommunität verantwortlich. Eine Aktiengesellschaft soll Akademie und Hotel wirtschaftlich betreiben.
Für die Finanzierung hofft die Stadt Stifter, Sponsoren und Aktionäre zu finden. Das Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters, auf dem später eine Weinhandlung stand und das heute brach liegt, ist seit 1987 im Besitz der Stadt Radolfzell. Bauträger soll die Livit AG sein, ein Tochterunternehmen der Schweizer Rentenanstalt.

Alle drei Säulen seien der Grundidee der Erklärung zum Weltethos verpflichtet, die 1993 von einem Parlament der Weltreligionen in Chicago verabschiedet wurde, betonte Fezer. »Handle anderen gegenüber so, wie du selbst behandelt werden möchtest«, lautet die Maxime der Erklärung. Sie beinhaltet auch die Verpflichtung zu Gewaltfreiheit, Solidarität, Toleranz und Gleichberechtigung.

Die religiöse Lebensgemeinschaft soll mit einer kleinen christlich-ökumenischen Gruppe beginnen und später die übrigen Weltreligionen wie Islam, Judentum, Buddhismus oder Hinduismus einbeziehen. Die Akademie will ihr Schwergewicht auf Kooperation mit Schulen legen, aber auch Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft aus aller Welt zu Symposien und Seminaren zusammenbringen. »Wir brauchen einen ethischen Kompass für die Arbeit«, sagte die Leiterin der Kommunität, Sibylle Ratsch vom St.-Katharina-Werk Basel.

Stadt Radolfzell: http://www.radolfzell.de
Weltkloster: http://www.weltkloster.de
  

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