Wir von der Stiftung
Weltethos und besonders Prof. Küng hatten sich seinerzeit gefreut,
als man in Radolfzell vor Jahren auf unsere Stiftung Weltethos zukam
mit der Idee, die Weltethos-Thematik in einem „Weltkloster” zu
verorten und in Radolfzell einen Raum zu schaffen für den Dialog
der Religionen und Kulturen.
Freilich hatten wir uns damals schon gefragt, ob denn die sehr ambitionierten
Pläne mit interreligiöser Klostergemeinschaft und angegliederter
Akademie in dieser Form sinnvoll sind und ob man nicht etwas bescheidener
hätte anfangen sollen. Dann kam 2001 noch der Einbruch an den
Börsen hinzu, der wichtige Spendenzusagen zunichte gemacht hat.
Aber alle Beteiligten blieben glücklicherweise guten Mutes, und
trotz einiger Schwierigkeiten hat man in den letzten Jahren doch manches
auf den Weg gebracht: Nicht nur Prof. Küng selber sondern auch
ich und und andere Mitarbeiter der Stiftung haben sich engagiert, es
gab viele gute Veranstaltungen, die auf positive Resonanz gestoßen
sind, und mittlerweile ist sogar ein Gebäude renoviert und mit
einem buddhistischen Mönch in Betrieb genommen.
Leider hat man es offenbar nicht geschafft, dem Weltkloster-Projekt
tragfähige institutionelle Strukturen zu geben, immer wieder gab
es wohl Streit um Zuständigkeiten und Kompetenzen. Dass sich nun
die Stadt weitgehend aus dem Projekt zurückgenommen hat und wohl
nur noch bis Jahresende finanzieren wird, finden wir sehr bedauerlich.
Ob und wie es nun in Radolfzell weitergeht, scheint offen. Wie man
hört, könnte ein Förderkreis das Projekt vielleicht
weiterführen, doch kann dies aus unserer Sicht ohne aktive auch
finanzielle Unterstützung der Stadt und der Radolfzeller Bevölkerung
auf Dauer kaum gehen. Die Stiftung Weltethos wird das Weltkloster-Projekt
auch weiterhin nach Kräften begleiten und unterstützen. Wir
hoffen, dass man sich in Radolfzell auf das Potential und die politische
Bedeutung dieses Projekts besinnt, und dass dieses auf seine Weise
einzigartige Vorhaben mit seinen vielen guten Ansätzen doch noch
eine Zukunft hat.
Tübingen, 8. Februar 2007
Dr. Stephan Schlensog
Generalsekretär Stiftung Weltethos
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