| Bericht 2004 als pdf |
Im Jahr 2004 konnte für die Stiftung Weltethos die wissenschaftliche Konsolidierungsphase im Wesentlichen abgeschlossen werden. Marksteine dafür waren in diesem Jahr die folgenden Veröffentlichungen: • Hans Küng, Der Islam. Geschichte, Gegenwart, Zukunft (Piper, München 2004). Dieser umfangreiche Band schliesst die Trilogie über die abrahamischen Religionen ab, die mit Das Judentum (1991) und Das Christentum (1994) begonnen worden war. Das Judentum liegt auf Englisch, Amerikanisch, Französisch, Italienisch und Spanisch vor, Das Christentum in denselben Sprachen, sowie auf Portugiesisch und Koreanisch. Für »Der Islam« sind bereits Übersetzungen in Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Spanisch geplant. • Die in Hans Küngs Trilogie angewandte Methode der historisch-systematischen Paradigmenanalyse wurde in diesem Jahr auf Indien ausgeweitet durch die Fertigstellung der Dissertation von Dipl. Theol. Stephan Schlensog Hinduismus. Glaube, Geschichte, Ethos (Veröffentlichung 2005). Eine Paradigmenanalyse der Chinesischen Religionen ist in Vorbereitung durch Dr. Yang Xushen (Peking). Karl-Josef Kuschel, »Jud, Christ und Muselmann vereinigt«? Lessings »Nathan der Weise« (Patmos, Düsseldorf 2004); eine interreligiöse Theologie der Abrahamischen Religionen ist in Arbeit. Damit ist eine 15jährige Phase abgeschlossen, die 1990 mit der
Veröffentlichung von Hans Küngs Programmschrift Projekt Weltethos
begonnen hatte und in der das Projekt eines Weltethos weltweite Wirkung
erzielt hat (Übersetzungen des Buches in: Englisch, Amerikanisch,
Französisch, Norwegisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch,
Koreanisch, Tschechisch, Brasilianisch, Ungarisch, Portugiesisch, Arabisch,
Georgisch, Bulgarisch, Kroatisch, Chinesisch). Mediale Expansion geplant Das Jahr 2005 und die folgenden Jahre sollen mehr der »medialen Expansion« der Weltethos-Idee, das heisst der Umsetzung durch verschiedene Medien-Projekte im nationalen wie internationalen Raum gewidmet sein. In Vorbereitung sind hier vor allem ein interaktives Internet-Lernprojekt zu Weltethos auf Deutsch und Englisch sowie ein Arbeitsbuch für Schule und Bildungsarbeit, beides zu entwickeln von Stephan Schlensog. Einen merkwürdigen Kontrast zu den grossen Leistungen eines kleinen
Teams und zur erfreulichen Entwicklung der Stiftungsaktivitäten
bildet die angespannte Finanzlage. Sie zwang zu bedauerlichen Einschnitten
im Personalbestand: So konnte die Stelle der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin
Bettina Schmidt M.A. ab Dezember 2004 nicht mehr aufrechterhalten werden,
und die Stelle des Vertreters der Stiftung in Berlin und den ostdeutschen
Bundesländern Dr. Martin Bauschke muss ab März 2005 auf 50%
reduziert werden. Die Stiftung Weltethos dankt besonders der Robert-Bosch-Stiftung
und Kurator Prof. Reinhold Würth für ihre Unterstützung
zur Aufrechterhaltung bestehender Stellen. Weltethos-Rede Einen Höhepunkt des Jahres bildete wie in den Vorjahren die 4.
Weltethos-Rede an der Universität Tübingen am 1. Dezember.
Der im Mai neugewählte deutsche Bundespräsident Prof. Dr.
Horst Köhler sprach zum Thema »Was gehen uns andere an?« Dr.
Köhler, seit 1997 Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Weltethos,
vermochte die über 2000 Zuhörer vor allem durch sein engagiertes
Plädoyer für christliche Nächstenliebe und aktive Solidarität
mit Afrika zu beeindrucken. Die Rede Horst Köhlers kann bei der
Stiftung Weltethos als Video oder DVD erworben werden. Weltethos international Vom 7.–13.7. fand das 4. Parlament der Weltreligionen in Barcelona statt, an dem Prof. Küng und Dr. Gebhardt zeitweise teilnahmen (Prof. Küng auch an der Vorversammlung 5.–7.7. im Kloster Montserrat). Anders als bei den Parlamenten in Chicago 1993 und Kapstadt 1999 nahm zwar diesmal die Weltethos-Thematik keine zentrale Stelle ein, war aber in Einzelveranstaltungen immer wieder präsent. Prof. Küng trat bei zwei Podiumsveranstaltungen auf und erhielt den »Juliet Hollister Award« der interreligiösen Organisation »Temple of Understanding« überreicht. Die Stiftung Weltethos wurde für ihre Tätigkeit speziell im Bildungsbereich von derselben Organisation mit dem »Global Education Award« geehrt. Sehr erfolgreich verlief ein Symposion zum Projekt Weltethos vom 14.–15.5. in Innsbruck unter dem Titel »Herausforderungen und Chancen für eine Weltpolitik und neue Weltordnung«. Es wurde von der Initiative Weltethos Österreich unter ihrem Präsidenten Prof. Helmut Reinalter und Generalsekretärin Mag. Edith Riether in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck organisiert. Für die Stiftung Weltethos nahmen Prof. Küng, Dr. Gebhardt sowie der emeritierte Tübinger Religionspädagoge Prof. Karl Ernst Nipkow als Vortragende oder Moderatoren daran teil. Ins UN-Hauptquartier in New York war Prof.
Küng am 10.9. zu einer
internationalen Expertentagung der Organisation »World Culture
Open« eingeladen. Im Anschluss daran hielt er einen Vortrag und
eine Gesprächsrunde in einem Ökumenisch-theologischen Seminar
in Rochester NY. Weitere wichtige internationale Engagements: • Prof. Kuschel hielt einen Vortrag auf einem internationalen Symposion vom 15.–22.5. in Shanghai: »World Religions and Global Ethic in an Age of Globalization«. Ausserdem referierte er auf dem Internationalen Lessing-Symposion in Wolfenbüttel (23./24.4.) zum 275. Geburtstag Lessings über »Lessings Bedeutung für den interreligiösen Dialog heute« und hielt den Hauptvortrag auf der Jahresversammlung von »Religionen für den Frieden (WCRP) / Deutschland« am 18.9. in Mainz. • Dr. Gebhardt referierte über die Stiftung Weltethos auf der Gründungstagung von »GlobEthics.net«, eines weltweiten Internet-Netzwerkes von Ethik-Instituten und Organisationen, die vom 23.–28.8. im Ökumenischen Institut Bossey bei Genf stattfand. • Prof. Küng nahm im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum
in Davos an einer Expertengruppe zum Dialog »Islam und der Westen« teil
sowie an der Tagung des InterAction Council in Salzburg (20.–24.7.).
Ausserdem hielt er Vorträge auf einer Fachtagung des Zentrums
für Internationale Politik CERI in Paris (15.1.), vor Jungunternehmern
der »Siemens Academy of Life« in Wien (16.–17.6.) und vor
der Internationalen Verleger-Union in Berlin (24.6.). Auf der Frankfurter
Buchmesse mit dem diesjährigen Schwerpunkt Arabische Literatur
führte er am 6.10. eine öffentliche Diskussion mit dem renommierten ägyptischen
Rechtsgelehrten Kamal Abulmagd. Seinen letzten grossen Vortrag des
Jahres in Deutschland hielt Prof. Küng am 15.12. in der Thüringer
Staatskanzlei in Erfurt auf Einladung des Ministerpräsidenten
Dieter Althaus zum Thema »Der Islam. Geschichtliche Umbrüche,
gegenwärtige Herausforderungen«. Weltethos und Politik Die meisten der bereits oben erwähnten Vorträge von Prof.
Küng im internationalen Bereich hatten die Entwicklung der Weltpolitik
und ihre ethischen Grundlagen zum Thema, besonders im Kontext des durch
den Irak-Krieg und den verschärften Israel-Palästina-Konflikt
angespannten Verhältnisses des Westens zur islamischen Welt. Politische
Themen kamen darüber hinaus in einer Vielzahl von Interviews und
sonstigen Medien-Beiträgen zur Sprache. Gerade zum Thema »Islam« wurden
immer wieder auch andere Mitarbeiter der Stiftung Weltethos als Referenten
angefragt. Weltethos und Wissenschaft Das wesentlich von Prof. Kuschel initiierte Graduiertenkolleg »Globale Herausforderungen – internationale und interkulturelle Lösungswege« an der Universität Tübingen, dessen Mitglieder aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen sich unter anderem auch mit Weltethos-Themen befassen, wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft um drei Jahre verlängert. Dr. Markus Weingardt, Politologe und Assistent unserer Stiftungs-Geschäftsführung, arbeitet an einem Forschungsprojekt zum »Beitrag von Religionen zur konstruktiven Konfliktbearbeitung in politischen Konflikten«, finanziell gefördert von der Berghof-Stiftung für Konfliktforschung und beraten von Dr. Gebhardt. Brücken zwischen Weltethos und Naturwissenschaft versucht Prof. Küng in einem neuen Arbeitsschwerpunkt zu schlagen. Ausgelöst durch einen Festvortrag zum Thema »Zum Ursprung des Kosmos«, den er am 19.9. vor der Deutschen Gesellschaft der Naturforscher und Ärzte in Passau hielt, ist für 2005 die Veröffentlichung eines Buches zu Fragen der Kosmologie Der Anfang aller Dinge. Naturwissenschaft und Religion geplant. Ausser den bereits oben genannten Publikationen zum Weltethos erschienen im Jahr 2004 folgende weitere: • Martin Bauschke - Walter Homolka - Rabeya Müller (Hrsg.), Gemeinsam vor Gott. Gebete aus Judentum, Christentum und Islam (Gütersloh 2004). Dieses Buch wurde zusätzlich in einer Sonderausgabe zum Gebrauch in der Deutschen Bundeswehr produziert. • Die seit einiger Zeit vergriffene englische Übersetzung von Projekt Weltethos (Global Responsibility) wurde beim amerikanischen Verlag Wipf & Stock (Eugene/Oregon) neu aufgelegt; • Spurensuche erschien in brasilianischer und spanischer Übersetzung; • Wozu Weltethos? liegt nun auch auf Italienisch vor; • die Begleitbroschüre zur Ausstellung »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos« erschien in französischer und italienischer Übersetzung, eine spanische Ausgabe ist 2005 geplant. Bereits weit gediehen sind die Arbeiten an einem gemeinsamen Buch von Prof. Küng und der evangelischen Pfarrerin Dr. Angela Rinn-Maurer (Mainz) über Weltethos – christlich verstanden. Erste Vorarbeiten wurden geleistet zu einem Buch der Schweizer Pädagogin Susanne Stöcklin-Meier über Weltethos im pädagogischen Elementarbereich. Auch 2004 waren Mitarbeiter der Stiftung
wieder angefragt für
Beiträge zur Weltethos-Thematik in den unterschiedlichsten Zeitschriften
und Publikationen. Weltethos in Bildungsarbeit und Schule Diese beiden Bereiche sind weiterhin zentral für die alltägliche Arbeit unserer Stiftung. Ausser der Vortragstätigkeit von Prof. Küng und Prof. Kuschel im In- und Ausland waren die festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Jahr bei über 70 Bildungsveranstaltungen tätig. Der Schwerpunkt für Lehrerfortbildungen hat sich 2004 mehr auf die nördliche Hälfte Deutschlands und die ostdeutschen Bundesländer verlagert. Dr. Martin Bauschke (Berlin) und Religionslehrer
Walter Lange (Castrop-Rauxel) waren hier besonders aktiv und haben
auch weitere Lehrer und Lehrerinnen als freie Referenten bei Weltethos-Fortbildungen
gewinnen können.
Auch PD Dr. Johannes Rehm (Bamberg), Dr. Christel Hasselmann (Hannover)
und Dr. Helga Offermanns (Wiesbaden) waren für unsere Stiftung
bei Vorträgen und Lehrerfortbildungen tätig. Der Schulserver
im Internet wird ständig ausgebaut und viel besucht (www.schule-weltethos.de).
Alle Termine von Vorträgen und Lehrerfortbildungen unserer festen
und freien Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind auf der Webseite der
Stiftung aufgelistet. Ausstellung »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos« Die Ausstellungsbroschüre liegt nun nicht nur auf Deutsch und Englisch, sondern auch, wie berichtet, auf Französisch und Italienisch vor. Die Wanderausstellung in ihren verschiedenen Versionen erfreut sich vor allem in Deutschland und der Schweiz weiterhin grosser Beliebtheit. • In Deutschland wurde sie dieses Jahr gezeigt in: Merzenich, Osnabrück, Görlitz, Heidenau, Annaberg-Buchholz, Greifswald, Wangerland-Schillig, Leipzig, Warburg-Hardehausen, Cottbus, Limbach-Oberfrohnau, Frankfurt/Oder, Zeitz, Flörsheim a. Main, Friedrichsdorf, Marsberg-Bredelar und Chemnitz. Im täglich von etwa 3000 Personen besuchten Berliner Mauermuseum am Checkpoint Charlie ist die Ausstellung inzwischen als Dauerausstellung aufgebaut. • In der Schweiz: Winterthur, Frauenfeld, Kloten, Basel, Altdorf und Flughafen Zürich-Kloten (hier in einer deutsch-englischen Doppelversion). Besonders wichtig ist hierbei, dass von der Stiftung Weltethos/Schweiz in Zusammenarbeit ihres Geschäftsführers lic. phil. Guido Baumann mit Dr. Gebhardt und Dr. Jean-Claude Basset (Genf) Ausstellungsbroschüre und Ausstellungstafeln auf Französisch erstellt wurden, und somit im Jahr 2005 die Ausstellung ihren Weg in die Westschweiz und nach Frankreich antreten kann. • Auch in Italien wurde nach Erscheinen der italienischen Broschüre eine Ausstellungsversion produziert und in Milano-Segrate erstmals gezeigt. • Während des Parlaments der Weltreligionen war eine englische Version im Kongressgebäude in Barcelona aufgestellt. • Einen spektakulären Schritt machte die Ausstellung 2004 nach Taipei (Taiwan), wo sie in chinesischer und englischer Version im Museum der Weltreligionen gezeigt wurde. • In Malaysia wird die Ausstellung in erweiterter Form von der Konrad-Adenauer-Stiftung gezeigt, in Kooperation mit nationalen interreligiösen Gruppen. • Während in Grossbritannien im Jahr 2005 ein neuer Anlauf
genommen werden soll, hat sich in USA das Ethikzentrum der Santa Clara
University (Kalifornien) bereit erklärt, die Ausstellung zu zeigen
und weitere Orte an Universitäten zu organisieren. Weltethos-Stiftungen in verschiedenen Ländern Auch die Weltethos-Stiftungen in der Schweiz, in Österreich, der Tschechischen Republik und den Niederlanden haben mit ihren je eigenen Schwerpunkten wieder Aktivitäten in Bildungsarbeit, Lehrerfortbildung und akademischer Reflexion durchgeführt. • In der Schweiz lag der Schwerpunkt neben der Wanderausstellung und dem Aufbau wichtiger Kontakte in der Westschweiz auf Bildungstätigkeit im Schulbereich (meist durch lic. phil. Guido Baumann), einschliesslich grösserer Artikel zum Weltethos in pädagogischen Zeitschriften. • Zentrales Projekt in Österreich war das bereits oben erwähnte Symposion in Innsbruck, doch konnten vor allem von Mag. Edith Riether auch verschiedene Bildungsveranstaltungen durchgeführt und neue Kontakte zu Multiplikatoren aufgebaut werden. • In Tschechien verbreitete Senator i.R. Dr. Karel Floss die Weltethos-Idee weiterhin vor allem in politischen und universitären Kreisen und bei Veranstaltungen des von ihm geleiteten Prokopius-Zentrums in Sazava. Die tschechische Übersetzung von »Spurensuche« steht vor dem Abschluss. • In den Niederlanden versucht Dr. Jan Willem Kirpestein, die
akademische Reflexion über das Weltethos zu fördern. Ehrungen Ausser mit dem oben erwähnten »Global Education Award« wurde die Stiftung Weltethos 2004 auch mit dem Ethik-Preis des Deutschen Druiden-Ordens geehrt, den Prof. Küng am 2.10. in einer stilvollen Feier in der Stadthalle Nürtingen entgegen nahm, wobei die baden-württembergische Kultusministerin Dr. Annette Schavan die Laudatio hielt. Prof. Küng wurde am 10.11. von der Universität Genua mit der Ehrendoktorwürde in Philosophie ausgezeichnet und erhielt am 13.10. an der Academia Europea in Yuste/Spanien (Todesort Kaiser Karls V.) von König Juan Carlos einen W. A. Mozart-Ehrenlehrstuhl verliehen. Weitere Informationen über die Stiftung Weltethos, ihre laufenden Aktivitäten und aktuellen Publikationen sowie Arbeitsmaterialien und eine ausführliche Bibliographie sind im Internet unter www.weltethos.org zu finden. All die vielfältigen Aktivitäten der Stiftung Weltethos waren auch im Jahr 2004 nur zu leisten durch den grossen Einsatz des gesamten Teams, besonders auch des Sekretariats mit den beiden Sekretärinnen Inge Baumann und Eleonore Henn und Stiftungsassistentin Anette Stuber-Rousselle, M.A. Wertvolle praktische Arbeit leisteten auch die studentischen Hilfskräfte Stefan Lemmermeier und, nach seinem berufsbedingten Ausscheiden, Carina Geldhauser und Ulf Günnewig.
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