Am
Samstag, den 24. September 2005, fand in freundschaftlicher Atmosphäre
ein Gespräch zwischen Papst Benedikt XVI. und Professor Hans Küng
(Tübingen) statt. Beide Seiten waren sich einig, daß es
nicht sinnvoll sei, im Rahmen dieser Begegnung in einen Disput über
die Lehrfragen einzutreten, die zwischen Hans Küng und dem Lehramt
der katholischen Kirche umstritten sind. Das Gespräch konzentrierte
sich deshalb auf zwei Bereiche, die besonders in jüngerer Zeit
im Vordergrund der Arbeit von Hans Küng stehen: die Frage des
Weltethos und der Dialog der Vernunft der Naturwissenschaften mit der
Vernunft des christlichen Glaubens.
Professor Küng stellte heraus, daß es bei dem Projekt Weltethos
keineswegs um eine abstrakte intellektuelle Konstruktion gehe. Es werden
vielmehr die moralischen Werte ins Licht gesetzt, in denen die großen
Religionen der Welt bei allen Unterschieden konvergieren und die sich
von ihrer überzeugenden Sinnhaftigkeit her auch der säkularen
Vernunft als gültige Maßstäbe zeigen können. Der
Papst würdigte positiv das Bemühen von Professor Küng,
im Dialog der Religionen wie in der Begegnung mit der säkularen
Vernunft zu einer erneuerten Anerkennung der wesentlichen moralischen
Werte der Menschheit beizutragen. Er stellte heraus, daß der
Einsatz für ein erneuertes Bewußtsein der das menschliche
Leben tragenden Werte auch ein wesentliches Anliegen seines Pontifikates
darstellt.
Ebenso bekräftigte der Papst seine Zustimmung zu dem Mühen
von Professor Küng, den Dialog zwischen Glaube und Naturwissenschaft
neu zu beleben und die Gottesfrage dem naturwissenschaftlichen Denken
gegenüber in ihrer Vernünftigkeit und Notwendigkeit zur Geltung
zu bringen. Professor Küng seinerseits drückte seine Zustimmung
zu dem Mühen des Papstes um den Dialog der Religionen wie um die
Begegnung mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen der
modernen Welt aus.
Città del Vaticano, 26. September 2005
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