1998 – Drei Jahre Stiftung Weltethos
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Gemessen an einem Menschenleben oder auch an der traditionsreichen Geschichte zahlloser gesellschaftlicher Einrichtungen sind drei Jahre eine sehr kurze Zeit. Die Stiftung Weltethos ist wahrlich noch jung. Nach ihrer Gründung durch Graf K. K. von der Groeben und nach der Genehmigung durch das Regierungspräsidium Tübingen wurde die Stiftung Weltethos für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung am 23. Oktober 1995 mit einem Festakt und einer Festrede von Professor Dr. Hans Küng über »Weltethos und Erziehung« an der Universität Tübingen offiziell ins Leben gerufen. Die Aufgaben der Stiftung lassen sich gemäß der Satzung vom 18. September 1995 folgenden drei Bereichen zuordnen:
 
• Durchführung und Förderung interkultureller und interreligiöser Forschung;
• Anregung und Durchführung interkultureller und interreligiöser Bildungsarbeit;
• Ermöglichung und Unterstützung der zur Forschungs- und Bildungsarbeit notwendigen interkulturellen und interreligiösen Begegnung.
 
Von Anfang an stieß die Stiftung mit ihrer Arbeit in der breiten Öffentlichkeit wie beim Fachpublikum auf ein überwältigend positives Interesse, so daß sie nach drei Jahren ihres Bestehens schon ein weit gefächertes Spektrum an Aktivitäten, Initiativen und Projekten entfalten konnte.
 

Organisation
In einer ersten Aufbauphase ging es darum, die für eine effiziente Durchführung und Gestaltung der Stiftungsaufgaben und -aktivitäten erforderliche Infrastruktur mit Arbeitsplätzen und Kommunikationsmitteln einzurichten. Nachdem die Arbeitsbedingungen bereitgestellt waren, wurde der Aufbau einer gut organisierten Leitung sowie eines produktiven und kreativen Teams immer wichtiger.
 

Leitung und Mitarbeit
Neben Professor Dr. Hans Küng und Professor Dr. Karl-Josef Kuschel als Präsident bzw. Vizepräsident der Stiftung Weltethos, die ebenso ehrenamtlich tätig sind wie der Gründer Graf Groeben, werden als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest beschäftigt: der Geschäftsführer (Dipl.-Theol. Stephan Schlensog), zwei Sekretärinnen (Inge Baumann, Anette Stuber-Rousselle, M.A.) und zwei wissenschaftliche Angestellte (Dipl.-Theol. & Dipl.-Biol. Michel Hofmann, Dipl.-Theol. & Pol. Johannes Frühbauer) auf Teilzeit- bzw. Vollzeit-Basis sowie eine wissenschaftliche Hilfskraft (stud. phil. Martin Zillinger). Im Herbst 1998 wurde die Stelle eines Wissenschaftlichen Projektkoordinators (Dr. theol. Günther Gebhardt) eingerichtet.
Weitere freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Durchführung von Projekten und insbesondere für die Bildungsarbeit werden nach Bedarf zugezogen. Die Repräsentation der Stiftung wird häufig auch von Graf und Gräfin von der Groeben wahrgenommen.
 

Kuratorium
Am 17. Juni 1997 wurde ein Stiftungs-Kuratorium eingerichtet.
Zentrale Aufgaben des Kuratoriums sind:
• Beratung des Stiftungsvorstandes;
• Gedankenaustausch zwischen Stiftung und dem wissenschaftlichen und praktischen Umfeld;
• Hinweise auf stiftungsrelevante Gegebenheiten.
 

Die Beratungstätigkeit konzentriert sich vor allem auf die Verwirklichung des Stiftungszweckes und diesem zugeordneten vorrangigen Aufgaben wie Vermögensverwaltung, Personalangelegenheiten, »Social-Marketing«, Medienbeobachtung und internationale Kontaktbildung. Zu den Mitgliedern des Kuratoriums, die vom Stiftungsvorstand in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für fünf Jahre berufen wurden und sich gemäß der Satzung insbesondere dem Stiftungszweck verbunden fühlen, zählen: Dr. Wolfgang Freudenberg, Dr. Uwe Jens Jasper, Prof. Dr. Norbert Kloten, Dr. Horst Köhler, Prof. Dr. Peter Littmann, Dr. Klaus Rehmann, Reinhold Würth.
 

Gründung Stiftung Weltethos Schweiz
Bereits im ersten Jahr kam es aufgrund einer großherzigen Spende von Martita Jöhr-Rohr zur Gründung der Stiftung Weltethos Schweiz. Zum Vorstand gehören Hans Küng, die Stifterin, Dr. Josef Studinka und Generaldirektor a.D. Heinz Müller. Vorrangige Aufgabe der Stiftung Weltethos Schweiz ist die – insbesondere finanzielle – Förderung internationaler Projekte. Für die Fernsehserie über die Weltreligionen, die zusammen mit dem SWR produziert wird, finanziert die Stiftung einen beträchtlichen Teil der Reise- und Materialkosten, vor allem für die Photodokumentation des Bildbandes, der zeitgleich zur Fernsehreihe erscheinen wird. Ferner trug die Stiftung Weltethos Schweiz auch die sehr hohen Kosten der Konferenz »Weltethos und chinesische Tradition« in Peking 1997. Der jüngst gestartete Unterrichtswettbewerb Schweiz wird ebenfalls aus den Mitteln dieser Stiftung finanziert.
 

Gründung Stiftung Weltethos Prag
In Kürze wird es auch in der Tschechischen Republik eine Stiftung Weltethos mit Sitz in Prag geben. Organisator und Ansprechpartner ist der tschechische Senator Dr. Karel Floss.
 

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Durchführung und Förderung
interkultureller und interreligiöser Forschung

 

Publikationen
Grundlage und Zentrum der Stiftungsarbeit ist die theologisch-religionswissenschaftliche Grundlagenforschung zur interkulturellen und interreligiösen Verständigung. Herausragende Veröffentlichungen der vergangenenen drei Jahre sind:

H. Küng, Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft, München (Piper) 1997: Zielsetzung des Buches sind konkrete Impulse für die Anwendung der Weltethos-Idee auf die Praxisfelder von Politik und Wirtschaft.
 
H. Küng – K.-J. Kuschel (Hg.), Wissenschaft und Weltethos, München (Piper) 1998: Der Sammelband enthält insgesamt 19 überaus fundierte Beiträge, die die Weltethos-Idee aus unterschiedlichen Disziplinen nach Gehalt und Anwendbarkeit beleuchten. Im Anhang dieses Buches wird erstmals eine von Michel Hofmann erarbeitete umfassende Bibliographie zur nationalen und internationalen Auseinandersetzung mit der Weltethos-Thematik veröffentlicht.
 
K.-J. Kuschel, Vom Streit zum Wettstreit der Religionen. Lessing und die Herausforderung des Islam, Düsseldorf (Patmos) 1998: Im Mittelpunkt steht nicht nur Gotthold Ephraim Lessing und wie er sich auf den Islam theologisch und kulturgeschichtlich eingelassen hat, sondern auch welche Vision eines Miteinanders von Juden, Christen und Muslimen er entworfen hat.
 
H. Schmidt (Hg.), Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten. Ein Vorschlag, München (Piper) 1998: Dieses Taschenbuch dokumentiert die vom InterAction Council den Vereinten Nationen zur Annahme vorgeschlagene Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten, die wesentlich von der Weltethos-Konzeption geprägt ist. Beiträge u.a. von H. Küng und J. Frühbauer sowie ein Textvergleich mit der Erklärung zum Weltethos dokumentieren diese nahe inhaltliche Verwandtschaft.

Über die unmittelbare Forschungsarbeit hinaus fördert die Stiftung mit Übersetzungs- und Druckkostenzuschüssen die Publikation der bereits vorhandenen Literatur zum Thema Weltethos («Projekt Weltethos«, »Erklärung zum Weltethos«, »Ja zum Weltethos« etc.) im Ausland, besonders in Osteuropa, aber auch in Ostasien.
Erschienen (bzw. in Vorbereitung) sind inzwischen folgende Ausgaben:
Projekt Weltethos: engl., franz., span., ital., norweg., amerik., niederländ., korean., tschech., brasil., ungar., arab., georg., russ.;
Erklärung zum Weltethos: engl., franz., span., finn., türk., japan., chines., tschech.;
Ja zum Weltethos: engl., amerik., finn.;
Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft: engl., amerik., brasil.;
Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten: engl. (und als Broschüre des InterAction Council in: arab., chines., dt., engl., finn., franz., griech., hindi, indon., japan., kambodsch., korean., malays., portug., russ., span., thai, türk.);
Streit um Abraham: engl., ital., span., tschech.
 

Forschungsprojekte
Neben der eigenen Forschung unterstützt die Stiftung Weltethos auch Forschungsvorhaben externer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, sofern sie der Grundlagenarbeit, der Vertiefung und schließlich der Verbreitung der Weltethos-Thematik dienen. Dazu konnte mittlerweile ein Forschungsfonds eingerichtet werden, aus dem Doktorandenstipendien finanziert, Forschungsaufträge erteilt, Forschungsaufenthalte ermöglicht sowie Fachkolloquien und Kongresse subventioniert werden können.
 
Unterstützt wurden bislang: 
• die Publikation einer umfassenden Studie, die den buddhistisch-christlichen Dialog auf Weltebene bilanziert:
Michael von Brück – Whalen Lai, Buddhismus und Christentum. Geschichte, Konfrontation, Dialog. Mit einem Vorwort von Hans Küng, München (C.H. Beck) 1997;
 
• ein Buchprojekt in England: Unter der Leitung von Rev. Marcus Braybrooke und Peggy Morgan haben Vertreter verschiedener Religionen auf der Grundlage der Weltethos-Erklärung den Beitrag ihrer jeweiligen Tradition insbesondere für den Einsatz im Schulunterricht dargestellt. Das didaktisch konzipierte Buch erschien im Herbst 1998 und trägt den Titel: Testing the Global Ethic. Voices from the Religions on Moral Values.
 
Studien zu Weltethos und indische Traditionen: Wichtiger Bestandteil der Forschungsarbeit ist die Begründung und Abstützung der Weltethos-Idee aus den verschiedenen religiösen Traditionen heraus. In Zusammenarbeit mit der Religionswissenschaftlerin und Indologin Dr. Mechthild Pecik wurde nun ein Forschungsprojekt konzipiert, bei dem Frau Dr. Pecik den Beitrag der klassischen religiösen Traditionen Indiens zu einem Weltethos untersuchen soll. Ziel dieser Arbeit ist eine kommentierte Sammlung von Quellentexten, die – nach der Struktur der Weltethos-Erklärung von Chicago gegliedert – den Beitrag der indischen Traditionen zu einem Weltethos veranschaulichen soll;
• eine Dissertationsprojekt über die Entstehungsgeschichte der Erklärung zum Weltethos von Christel Hasselmann M.A. an der Universität Hannover.
 
Im übrigen steht für die laufenden Projekte der Stiftungsmitarbeiter jährlich ein Bücherfonds zur Verfügung, aus dem wissenschaftliche Literatur finanziert wird.
 

Die Studien zu längerfristigen Projekten, wie der dritte Band von Professor Küngs Trilogie zur religiösen Situation der Zeit, »Der Islam«, oder Professor Kuschels »Biblische Theologie der Weltreligionen« konnten im Rahmen der Stiftungsarbeit weiter vorangebracht werden.
 

Konferenzen und Symposien
Eine wichtige Stütze der Forschungsarbeit sind wissenschaftliche Kolloquien und Kongresse: Nicht nur die zahlreichen Kongresse im In- und Ausland, an denen die Mitglieder der Stiftung regelmäßig teilnehmen (sei es als Referent, sei es zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch oder sei es zur eigenen Weiterbildung), sondern vor allem jene Veranstaltungen, die von der Stiftung Weltethos selber geplant (Festlegung des Themas), programmatisch vorbereitet (Ausarbeitung der Konzeption, Auswahl der Teilnehmenden) und, soweit möglich, organisiert werden (Kostenplanung, Wahl des Tagungsortes, organisatorische Feinplanung).

Die Stiftung Weltethos kann auf eine ganze Reihe auch international bedeutsamer und erfolgreich durchgeführter Konferenzen und wissenschaftlicher Symposien zurückblicken:
 
Abrahamische Religionen und Weltethos: ein Symposion mit Vertretern von Judentum, Christentum und Islam aus Deutschland, gemeinsam mit der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, 2.–4. Juni 1997.
 
Global Ethic: A Guideline for Economy and Politics: Ein internationaler studentischer Kongreß mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus rund 25 Ländern sowie mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Der Kongreß stand unter der Schirmherrschaft von Altbundeskanzler Helmut Schmidt und der UNESCO und fand statt vom 1.–5. Juni 1997 im Tagungshaus der Universität Tübingen in Blaubeuren. Angeregt und organisiert wurde der Kongreß von der Studentischen Initiative Weltethos Tübingen unter der Federführung von Benita von Behr und Martin Zillinger in enger Zusammenarbeit mit AIESEC [Association Internationale des Étudiants en Sciences Économiques et Commerciales] Tübingen-Reutlingen. Eine 90seitige englische Broschüre dokumentiert diesen Kongreß. In Vorbereitung ist ein wissenschaftlicher Sammelband mit den Vorträgen des Kongresses sowie mit weiteren Beiträgen zum Kongreßthema.
 
Erste Konferenz über Weltethos und traditionelle chinesische Ethik: Ein akademisches Symposion vom 10. bis 12. September 1997 im Da Jue Tempel in Beijing. Daran teilgenommen haben 24 religiöse und akademische Persönlichkeiten aus Beijing, Schanghai, Xian, Wuhan, Guang Zhou, Shen Zhen, Hai Kou und Hongkong, die sich mit ethischen und religiösen (konfuzianisch, taoistisch, buddhistisch oder christlich) sowie mit politischen, juristischen, ökonomischen, historischen, philosophischen oder humanistischen Studien befassen.
 
Erste Konferenz über Weltethos und traditionelle indische Ethik: Eine Konferenz in Zusammenarbeit mit Svami Agnivesh/Neu Delhi. Über 50 Wissenschaftler und Aktivisten aus den verschiedenen Teilen Indiens versammelten sich am India International Centre in Neu Delhi vom 23.–24. November 1997 zu einer vom Dharma Pathishtan einberufenen Konsultation, um eine indische Antwort zu formulieren sowohl auf die Erklärung zum Weltethos des Parlaments der Weltreligionen als auch auf die Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten, wie sie vom InterAction Council vorgeschlagen wurde.
 
Die Konferenzen in China und Indien führten zu Erklärungen, welche die Weltethos-Idee aus der Sicht ihrer jeweiligen Tradition thematisieren. Dokumentiert sind sie in dem von Helmut Schmidt herausgegebenen Bändchen über die Menschenpflichten-Erklärung.
 
• Die Reflexion von islamischer Seite auf die Erklärung zum Weltethos wird widergespiegelt werden in einem wissenschaftlichen Sammelband und in einer internationalen Konferenz in Washington, die für 1999 anberaumt ist. Initiiert und organisiert wird dieses von der Stiftung unterstützte Projekt »Global Ethic and Islamic Tradition« von Riffat Hassan, Professorin für Islamic Studies an der University of Louisville/USA.
 
Weltethos in Schule und Bildung.
Wissenschaftliches Symposion mit Fachleuten aus dem Bereich der Religionspädagogik anläßlich der Preisverleihung zum Weltethos-Wettbewerb für Unterrichtsversuche und Projekte am 11. Juli 1998 in Tübingen.
 
Wie insbesondere die oben erwähnten Kongresse in China und Indien zeigen, hat in diesem Zusammenhang das Engagement der Stiftung im Ausland einen besonderen Stellenwert: die Planung und Organisation von Kongressen zum Thema Weltethos mit Teilnehmenden aus den jeweiligen Kulturen und Religionen. Es liegt in der Natur der Sache, daß dafür sowohl finanziell wie konzeptionell besondere Anstrengungen nötig sind – angefangen von der oft langwierigen und schwierigen Kontaktaufnahme, über die Suche nach geeigneten Koordinatoren vor Ort und vor allem nach qualifizierten und kompetenten Teilnehmern, bis hin zur definitiven Organisation und Durchführung.
 

Erfreulicherweise ist es der Stiftung gelungen, die vorhandenen Kontakte zunächst in der Volksrepublik China, dann auch in Indien aufzubauen und die Kongresse – gewissermaßen als Pilotprojekte – erfolgreich durchzuführen. Für China und Indien sind im Lauf der nächsten Jahre Fortsetzungen der bereits erfolgten Kongresse geplant: eine Internationalisierung der Teilnehmerkreise wird angestrebt.
 

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Anregung und Durchführung
interkultureller und interreligiöser Bildungsarbeit

 
Die Ergebnisse der hier knapp skizzierten Forschungsarbeit sind, wie die entsprechenden Publikationen zeigen, vielfältig. Um damit aber eine möglichst große Breitenwirkung zu erzielen, hat die Stiftung ein vielseitiges Spektrum an Bildungsaktivitäten entwickelt, die je nach Zielgruppe verschiedenartig realisiert werden. Die Forschungsergebnisse, die in den mittlerweile zahlreichen Publikationen zur Weltethos-Thematik dokumentiert sind, können aufgrund der engen Verzahnung von wissenschaftlicher Grundlagenarbeit und publikationstechnischer Aufbereitung nahtlos in die konkrete und vielseitige Bildungsarbeit eingebracht werden. Ein beträchtlicher Teil der Bemühungen richtet sich daher auch stets auf eine ansprechende und didaktische Aufmachung der Publikationen bzw. der Präsentationsform in der Bildungsarbeit.
 

Basisinformation
Allen Interessenten im In- und Ausland wird die 16seitige Broschüre mit dem Text der Weltethos-Erklärung des Parlaments der Weltreligionen von Chicago (1993) – auch in größerer Stückzahl – gratis zur Verfügung gestellt. Außerdem wird mit dieser Broschüre mit der Weltethos-Erklärung in Schulen, bei Vorträgen und anderen Bildungsveranstaltungen gearbeitet. Bisher wurden rund 100.000 Broschüren in verschiedenen Sprachen (deutsch, englisch, italienisch, kroatisch) hergestellt und verbreitet. Weitere Ausgaben in Französisch, Spanisch, Tschechisch sind in Vorbereitung.
 

Bereitstellung von Literatur und Arbeitsmaterialien
Neben den genannten Broschüren wird einzelnen Bildungseinrichtungen, Initiativgruppen, Schulbibliotheken auch im Ausland gezielt die Grundlagenliteratur (besonders die in mehreren Sprachen vorliegende kommentierte Buchausgabe der Weltethos-Erklärung oder auch das Basiswerk »Projekt Weltethos«) kostenlos zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stiftung einen umfangreichen »Arbeitsmaterialien«-Ordner mit Textsammlungen, didaktischen Hilfsmitteln und konkreten Unterrichtsbeispielen für die Bildungstätigkeit zu folgenden Themenkreisen erabeitet und zusammengestellt: Weltethos und Religion/Politik/ Wirtschaft/Erziehung. Mittlerweile wurden mehrere hundert dieser Arbeitsmappen insbesondere an Multiplikatoren in der Bildungsarbeit zum Selbstkostenpreis zur Verfügung gestellt. Besonderes Interesse und große Nachfrage haben Sonderbeilagen der Zeitschrift Publik Forum geweckt: Sowohl vom Dossier »Globalisierung« wie auch von der Dokumentation zum Jugendcamp »Find Your World« wurden jeweils mehrere Tausend gedruckt und verbreitet.
 

Internet-Homepage
Seit Anfang 1997 informiert die Stiftung auch via Internet über ihre Ziele und Aufgaben und dokumentiert den Text der Weltethoserklärung:
Nach der Einrichtung vor rund zwei Jahren wurde im Oktober 1998 eine grundlegende Überarbeitung der Web-Seiten durchgeführt. Unter der Leitung von Stephan Schlensog wurde ein völlig neues Konzept erarbeitet. Schwerpunkt ist dabei nicht mehr nur die Präsentation der Stiftung im Internet, sondern die Präsenz der Stiftung als Anbieterin von Informationen und Arbeitsmaterialien. Die Besucher der Internet-Seiten können sich nun grundlegend und vielseitig über die Weltethos-Thematik informieren. Besonders anprechend und überaus informativ ist das visuell aufbereitete Literaturverzeichnis. Außerdem werden vielfältige Materialien und Lehrmittel angeboten, auf die nicht nur verwiesen wird, sondern die dank neuester Technik auch von den Benutzern weltweit direkt auf ihren PC geladen und dort weiterverarbeitet oder auch ausgedruckt werden können. Dank eines entsprechenden Formulars können Interessenten nun auch schnell und bequem Informationsmaterial bei der Stiftung anfordern. Dies alles wird erheblich zur Verbreitung der Weltethos-Idee gerade an der Basis und in der breiten Öffentlichkeit beitragen. Zukünftig wird daher der Erweiterung und ständigen Aktualisierung des Internetangebotes oberste Priorität zukommen. In einem nächsten Schritt soll zunächst die englische Fassung überarbeitet und ergänzt werden. Weitere Fassungen der Homepage in anderen Sprachen werden 1999 folgen.
 

Freundeskreis
Aus den wiederholten Anfragen nach engerem Kontakt bzw. nach der Möglichkeit einer Mitgliedschaft bei der Stiftung entstand die Idee, einen »Freundeskreis« der Stiftung einzurichten. Die zu ihm zählenden Personen erhalten regelmäßig Informationen über die Aktivitäten der Stiftung, und sie unterstützen diese durch ihren Jahresbeitrag. Betreut wird der Freundeskreis von Herrn Volker Hollmann.
 

Schul- und Jugendbereich
Im Zentrum der Bemühungen im Bereich Schule und Erziehung stand in den zurückliegenden zwei Jahren der »Wettbewerb für Unterrichtsversuche und Projekte«. Die Stiftung Weltethos wollte mit diesem Wettbewerb Modellinitiativen in Schule (Religions-, Ethik- und Philosophieunterricht sowie andere Fächer und Arbeitsgemeinschaften), Erwachsenenbildung oder Gemeindearbeit anregen. Grundlage für die Beiträge war die Weltethos-Erklärung von Chicago. Einzusenden waren eine detaillierte Darstellung der Konzeption und eine Dokumentation über die praktische Durchführung. Rund 700 Interessenten forderten die Rahmenrichtlinien für die Unterrichtsversuche bei der Stiftung an. 52 Beiträge aus sehr unterschiedlichen Erziehungs- und Bildungskontexten wurden schließlich eingereicht: Das Spektrum reicht von der Grundschule über allgemein- oder berufsbildende Schulen bis hin zur Hochschule.
 

Eine Jury von neun namhaften Hochschuldozenten und -dozentinnen aus dem gesamten Bundesgebiet wurde gebildet aus den Bereichen Allgemeine Pädagogik, Religionspädagogik und Erwachsenenbildung. Für die Koordination und Durchführung der Jury-Tätigkeiten konnten als Vorsitzende die Professoren Dr. Karl Ernst Nipkow und Dr. Albert Biesinger – beide Universität Tübingen – gewonnen werden. Im Mai 1998 standen 16 Preisträgerinnen und Preisträger fest, die jeweils ein Preisgeld von DM 2.000 und einen Sachpreis erhielten. Im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposions »Weltethos in Schule und Bildung« fand am 11. Juli 1998 die öffentliche Preisverleihung in Tübingen statt. Der Wettbewerb hat gezeigt, daß sich das Thema Weltethos für alle Schularten und Klassenstufen eignet und sich dadurch insbesondere auch zur Aufnahme in die Lehrpläne empfiehlt. Deshalb sollen die ausgezeichneten Beiträge auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden im Rahmen einer Publikation – gemeinsam oder nach Schularten getrennt -, die für das Jahr 1999 geplant ist.

Ab Ende 1998 wird es eine Auswahl von Unterrichtsmodellen und Arbeitshilfen geben für Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien, die gemeinsam mit dem Landesinstitut für Erziehung und Unterricht (LEU) des Landes Baden-Württemberg konzipiert und von der Stiftung realisiert wurden.
 

Mit Beginn des Schuljahres 1998/99 wurde in der Schweiz ein Unterrichtswettbewerb nach Vorbild des in Deutschland erfolgreich durchgeführten Wettbewerbes in Kooperation mit der neugegründeten schweizerischen Stiftung Bildung und Entwicklung gestartet. Ein siebenköpfige Jury mit dem Vorsitzenden Professor Dr. Klaus Wegenast (Universität Bern) wurde bereits gebildet. Überlegt wird zum einen, ob nach erfolgreicher Durchführung des Wettbewerbes in der Schweiz eine vergleichbare Aktion auch für Österreich organisiert werden sollte, und zum andern, ob nicht – aufgrund der nachhaltig positiven Reaktionen zum Wettbewerb in Deutschland – ein ständiger, turnusmäßig auszulobender Pädagogik-Preis der Stiftung vergeben werden könnte. Ferner sollen die deutschen Schulen im Ausland zu einer weiteren wichtigen Zielgruppe der Aktivitäten im schulischen Kontext werden.

Unter verschiedenen Schulprojekten, die oft in Eigeninitiative der Lehrenden durchgeführt wurden und zumindest mit der Zur-Verfügung-Stellung der Basis-Materialien durch die Stiftung gefördert werden, ist das unmittelbar unterstützte Projekt »Gute Nachbarschaft« in besonderer Weise hervorzuheben: Der Pädagoge Walter Lange initiierte und begleitet dieses Projekt an der Willy-Brandt-Gesamtschule in Castrop-Rauxel. Es zielt auf die Vorbereitung und den Aufbau vertrauensbildender Maßnahmen zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionen und Kulturen an dieser Schule, insbesondere zwischen Christen und Muslimen. Dabei geht es sowohl darum, die Schüler verschiedener Kultur- und Religionsgemeinschaften untereinander ins Gespräch zu bringen, Kommunikationsprobleme zwischen Eltern und Schülern lösen zu helfen, als auch zwischen den Eltern Kontakte zu ermöglichen und zu vermitteln. Die Willy-Brandt-Gesamtschule führt dazu gezielt einzelne Veranstaltungen und Projekte durch, etwa: den gemeinsamen Besuch von religiösen Stätten: Kirchen, Klöster, Moscheen und Synagogen; die gemeinsame Teilnahme an »Tagen religiöser Orientierung« im Kloster Gerleve oder in der Jugendbildungsstätte Hardehausen; Gespräche im Religionsunterricht über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Religionsgemeinschaft; gemeinsame Projekttage »Begegnung mit dem Fremden«, u. a. Kontakte zu einer Jugendarrestanstalt, zu Obdachlosen am Bahnhof, zu Behinderten usw.; Organisierung eines »Tages der Menschenrechte«.

Wichtige Grundlagenarbeit zur Umsetzung der Weltethos-Thematik im Kontext der Religionspädagogik leistet Professor Dr. Johannes Lähnemann (Erlangen-Nürnberg). Er hat dafür u. a. im Jahre 1994 das »V. Nürnberger Forum« veranstaltet, dessen Ergebnisse in J. Lähnemann (Hrsg.), »Das 'Projekt Weltethos' in der Erziehung« (Hamburg 1995) dokumentiert sind. Zur Zeit werden von ihm die Wettbewerbsbeiträge zur Publikation vorbereitet sowie Forschungsprojekte zur Thematik betreut.
 

Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften
Die Referenten bzw. Referentinnen der Stiftung begleiteten die Gestaltung von Religionspädagogischen Tagen bzw. vergleichbare Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte – insbesondere in den Fächern Religion, Ethik und Philosophie. Dies wird auch in Zukunft ein wichtiger Schwerpunkt des Fortbildungsangebotes der Stiftung Weltethos sein. Bisherige Erfahrungen vor allem in Baden-Württemberg sollen auch in anderen Bundesländern fruchtbar gemacht werden.
 

Allgemein interessierte Erwachsene
Im Laufe der vergangenen drei Jahre hat sich ein festes Vortragsteam der Stiftung gebildet. Neben Präsident und Vizepräsident der Stiftung – Hans Küng und Karl-Josef Kuschel – zählen dazu der Geschäftsführer Stephan Schlensog sowie die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter Michel Hofmann und Johannes Frühbauer. Ihre Referententätigkeit ist insbesondere dem vorrangigen Ziel der Grundlagenvermittlung gewidmet; darüber hinaus werden von ihnen schwerpunktmäßig die Themenkreise Religion (S. Schlensog), Politik (J. Frühbauer) und Wirtschaft (M. Hofmann) betreut. Über diesen inneren Kreis hinaus sind noch weitere freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Frau Dr. Ingrid Geschwentner aus Stuttgart engagiert sich intensiv im Bereich von Schule und Erziehung und ist neben ihrer allgemeinen Vortragstätigkeit insbesondere für Lehrerfortbildung zuständig. Frau Dr. Mechthild Pecik aus Horb hat ihren Schwerpunkt in der Volkshochschularbeit und bringt als Indologin vor allem für das Weltethos wesentliche Aspekte aus der indischen Tradition mit ein. Mit Prof. Dr. Urs Baumann, Rottenburg, und Dr. Thomas Riplinger, Tübingen, sind zwei weitere kompetente Weltethos-Kenner als Referenten tätig.
 

Neben der Grundlagenvermittlung galt es in der Vergangenheit zunehmend, die Weltethos-Thematik im Hinblick auf bestimmte Entwicklungen, spezifische Fragestellungen und aktuelle Probleme zu konkretisieren. Wie die folgende Auswahl an Stichworten veranschaulicht, wurde rund um die Weltethos-Idee ein breites Panorama an Themen entfaltet und vermittelt: Globaler Markt, Kampf der Kulturen, Abrahamische Ökumene, Indische Ethik, Islam, Menschenpflichten, (Welt-)Wirtschaft, (Welt-)Politik, Erziehung, Wertevermittlung, Europäische Wertegemeinschaft, usf.

Rund 300 Bildungsveranstaltungen wurden von den Referentinnen und Referenten während der letzten drei Jahre im gesamten Bundesgebiet, aber auch in europäischen Nachbarländern und darüber hinaus bestritten: Vortragsabende in Gemeinden, in Volkshochschulen, Tagungen und Lehrveranstaltungen in Akademien, Schulen und Hochschulen, Seminare und Workshops bei Verbänden und Organisationen. Da nicht zuletzt durch die Kürzungsmaßnahmen der öffentlichen Haushalte der letzten Jahre viele Institutionen immer seltener über ausreichende Mittel für derartige Bildungsveranstaltungen verfügen, übernimmt die Stiftung bei Bedarf die Reisekosten und einen Teil des Honorars.
 

Fachkreise und internationales Publikum
Trotz intensiver Inanspruchnahme durch das Filmprojekt (s. u.) nahm Professor Küng neben einer Vielzahl von Vorträgen an Universitäten und in verschiedenen Gremien zahlreiche Gelegenheiten wahr, um das Anliegen und die Zielsetzung der Weltethos-Idee angesichts der Herausforderungen der globalen Entwicklung insbesondere vor Fachkreisen von Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Institutionen rund um den Globus zu präsentieren. Dabei führten ihn die mit dem Weltethos verbundenen Aufgabenstellungen in den zurückliegenden drei Jahren zu den nachfolgend aufgeführten Kongressen und Konferenzen, in denen ein globales Ethos zentraler Reflexions- und Diskussionsgegenstand war:

• »Weltpolitik und Weltethos. Frommer Wunsch oder Realutopie?«: Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing (1995);

• InterAction Council ehemaliger Regierungs- und Staatschefs mit der Expertenkonferenz »Auf der Suche nach globalen ethischen Standards« in Wien (1996);

• The First World Congress of Business, Economics and Ethics in Tokio: »The Need of a Global Ethic in the Context of International Business« (1996);

• V. Centenario de la Universidad Santiago de Compostela: »Etica mundial y educación« (1996);

• International Council of Christians and Jews: Towards a Global Ethic, in Mainz: »Weltreligionen – Weltethos – Weltfrieden« (1996);

• Universitätsvorträge in Peking und Xian über »World Religions – World Peace – World Ethic« (1996);

• 54o Corso di Studi Cristiani in Assisi: »Religioni mondiali – pace mondiale – etica mondiale« (1996);

• Académie Internationale des Sciences Religieuses in Chambésy/Genf: »Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos« (1996);

• The Power of Culture, im Auftrag des Niederländischen Außenministeriums, in Amsterdam: »A New Global Ethic« (1996);

• Tercer Milenio Projeto »Challenges of the New Millennium – Managing the Future« in Zusammenarbeit mit der UNESCO in Valencia: »A New Ethics for the New Millennium« (1997);
World Economic Forum in Davos: »Rights and Responsibilities« (1997);

• UNESCO Universal Ethics Project in Paris: »Global Ethic« (1997) und in Neapel: »A Global Ethic for a New Global Order« (1997);

• Begleitung des Staatsbesuchs von Bundespräsident Roman Herzog in Malaysia; Vortrag in Kuala Lumpur: »Towards a Universal Civilization« (1997);

• 6th Indira Gandhi Conference »Post Colonial World: Interdependence and Identities« in Delhi/Indien, zum Thema: »Shaping the ðOne World DreamЫ (1997);

• InterAction Council: Zunächst Experten- und Vorbereitungstreffen in Wien (1997) und dann Vollversammlung zum Vorschlag einer »Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten« in Noordwijk (1997). Der Textentwurf, der der Menschenpflichten-Erklärung zugrunde lag, wurde im Wesentlichen von Professor Küng und in enger substantieller Anlehnung an die Weltethos-Erklärung von Chicago 1993 erarbeitet;

• FORUM 2000 Conference in Prag: »Sustainable Development and a Global Ethic« sowie Evangelisch-Theologische Fakultät der Karls-Universität Prag: »Auf der Suche nach einem neuen Ethos« (1998);

• International Forum von Asahi Shimbun in Kyoto: »In Search for a New Ethic Toward the 21st Century« (1998);

• Annual Meeting International Federation of Stock Exchanges in Kuala Lumpur: »Ethical Standards for International Financial Transactions« (1998).
 

Für sein außergewöhnliches Bemühen um die Verwirklichung eines globalen Ethos wurde Professor Küng der Theodor-Heuss-Preis 1998 verliehen. Der vom ZDF live übertragene Festakt der Verleihung des 34. Theodor-Heuss-Preises fand am 18. April 1998 in Stuttgart statt und stand unter dem Leitwort »Auf der Suche nach einem neuen Ethos – weltweit und zuhaus«. Professor Küng wurde der Preis zuerkannt »für sein unermüdliches, lebenslanges Engagement in religiösen, philosophischen und ethischen Existenzfragen unserer Zeit« und für seinen entscheidenden Beitrag »zur Formulierung einer ethischen Grundorientierung der Weltgesellschaft zugunsten einer friedlicheren, gerechteren und humaneren Welt«.
 

Aufgrund seines »außerordentlichen Beitrags zum interreligiösen Dialog« wurde Hans Küng am 20. Oktober 1998 in London mit der »Interfaith Gold Medallion« des Internationalen Rates der Christen und Juden ausgezeichnet, der eine Dachorganisation für 29 nationale jüdisch-christliche Dialogorganisationen weltweit darstellt.
 

Das Engagement für ein Weltethos – neben der theologischen Lebensleistung – war Anlaß für die Schweizer Gemeinde Sursee, Vaterstadt von Hans Küng, ihn zum ersten Ehrenbürger zu ernennen.

Neben seiner Lehrtätigkeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen engagiert sich Professor Dr. Karl-Josef Kuschel regelmäßig für die Stiftung: mit zahlreichen Einzelvorträgen zur Weltethos-Thematik und vor allem durch den Aufbau und die internationale Vernetzung von Aktivitäten im Bereich der »abrahamischen Ökumene«. Für einzelne Länder sind folgende Beispiele zu nennen:

• Auf einem Symposion in der Katholischen Akademie Stuttgart-Hohenheim vom 2.-4. Juni 1997 konnten unter seiner Federführung namhafte Vertreter des Judentums, des Islam und des Christentums aus Deutschland versammelt werden, um intensiv die Probleme ihrer Glaubensgemeinschaft zu reflektieren und Möglichkeiten eines Miteinanders auszuloten.

• Im Mai 1997 Kontaktaufnahme mit der Academy for Judaic, Christian and Muslim Studies in Los Angeles, eine der wenigen Institutionen in den Vereinigten Staaten, die programmatisch den Trialog zwischen Juden, Christen und Muslimen pflegt. Während eines Besuchs vom 1.-4. November 1997 hielt Kuschel die Festrede zum 20jährigen Bestehen der Academy.

• Im März 1998 Begegnung mit Repräsentanten der Children of Abraham Foundation in Stockholm/Schweden anläßlich eines vom Goethe-Institut Stockholm organisierten Kolloquiums über den Islam in Europa. Die Children of Abraham Foundation hat ihren Schwerpunkt bei der Ausarbeitung konkreter Unterrichtsmodelle für die interreligiöse Erziehung christlicher, jüdischer, muslimischer und nicht religionsgebundener Kinder.

• Im Juni 1998 Besuch von Pfarrer Christoph Ziemer, einem evangelischen Theologen, der Mitbegründer der Friedensinitiative »Abraham« in Sarajewo/Bosnien-Herzegowina ist. Nach Intensivierung der Kontakte zu »Abraham« sind für Dezember 1998 Gastvorträge vor Ort geplant, die auch dazu dienen sollen, die Beziehungen zwischen dieser Initiative und der Stiftung zu verstärken.

• Im Oktober 1998 Kontaktaufnahme zum »Three Faith Forum« in Großbritannien, einer Organisation, die interreligiöse Verständigungsarbeit konkret vor Ort in institutionalisierter Form durchführt. Die Erfahrungen dieser Organisation zusammen mit den Erfahrungen der »Fraternité d'Abraham« in Frankeich, zu der noch Kontakt aufgenommen werden soll, sind von grundlegender Bedeutung, um auch in Deutschland die Beziehungen zwischen Juden, Christen und Muslimen stärker als bisher zu institutionalisieren.

• Der spezielle Dialog Christentum – Islam wurde in den letzten drei Jahren international geführt, etwa durch die Teilnahme von Karl-Josef Kuschel an der International Conference on Muslim-Christian Relations in Jakarta/Indonesien vom 7.-9. August 1997. Eine weitere Konferenz in Indonesien, dem größten muslimischen Land der Erde, ist 1999 vorgesehen.

Die Forschungsarbeit wurde parallel zu diesen internationalen Kontakten kontinuierlich und intensiv fortgeführt. Als eine dichte Zwischenbilanz der interkulturellen Studien und Bemühungen von Prof. Kuschel erschien 1997 der Band »Im Spiegel der Dichter. Mensch, Gott und Jesus in der Literatur des 20. Jahrhunderts« (bei Patmos/Düsseldorf). 1998 wurde die bereits oben aufgeführte grundlegende Studie zu Lessing: »Vom Streit zum Wettstreit der Religionen. Lessing und die Herausforderung des Islam« (ebenfalls Patmos) im jüngst gestarteten Forschungsprojekt »Literatur und Weltreligionen« veröffentlicht.

Das Engagement und die Bemühungen um eine interkulturelle und interreligiöse Verständigung haben zu zwei bedeutsamen Ehrungen geführt. Am 30. Mai 1997 wurde Karl-Josef Kuschel durch die Theologische Fakultät der Universität Lund/Schweden ein Ehrendoktorat verliehen. Am 13. Dezember 1998 wird er den Medienpreis des Islam-Archivs Deutschland in Soest insbesondere für sein Lessing-Buch erhalten.

Daß die Weltethos-Idee durchaus auch eine besondere Relevanz für praxisbezogene Lebensbereiche haben kann, hat die Zusammenarbeit mit der Organisation Tourism Watch gezeigt. Dieser Kooperation ist es zu verdanken, daß die Grundgedanken und Weisungen des Weltethos Eingang gefunden haben in ein Dokument, welches der World Tourism Organisation zur Vorbereitung und als Textgrundlage für einen Global Code of Ethics for Tourism dient. Der Stiftung Weltethos wird auch in Zukunft daran gelegen sein, vergleichbare Kooperationen zu realisieren, um die Chancen der Anwendung und Umsetzung der Weltethos-Idee in die diversen Lebensbereiche der Menschen hinein zu nutzen.
 

Siebenteilige Fernseh-Dokumentationsserie
Von großer Bedeutung für die Verbreitung der Weltethos-Thematik im interessierten Publikum ist eine 7teilige Fernseh-Dokumentationsserie über die großen Weltreligionen, ihre Situation in der heutigen Welt und ihren Beitrag zum Weltfrieden. Autor und Präsentator ist Hans Küng. Es sollen – vor allem unter ethischen Gesichtspunkten und der Frage nach dem Beitrag dieser Religionen zu einem gemeinsamen Weltethos – untersucht und präsentiert werden: Die Naturreligionen, der Hinduismus, die Chinesischen Religionen, der Buddhismus, das Judentum, das Christentum und der Islam. Die Dreharbeiten wurden 1997 in Afrika und Australien begonnen, führten im darauffolgenden Jahr nach Japan und Indien, Nord- und Mittelamerika, nach Deutschland, Israel, Italien, Frankreich, Tunesien und in die Türkei und werden im Frühjahr 1999 mit Aufnahmen in China abgeschlossen werden. Als Sendetermin wird Herbst 1999 angestrebt. Mit der photographischen Dokumentation dieses Projekts ist Stephan Schlensog betraut. Denn die Fernsehreihe wird eingebettet sein in ein Multi-Media-Projekt: Parallel zu den Sendungen wird im Buchhandel ein didaktisch aufbereitetes, dokumentatorisches Sachbuch erscheinen sowie eine CD-ROM, konzipiert auch für den Einsatz in der Bildungsarbeit.
 

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Ermöglichung und Unterstützung der zur Forschungs- und Bildungsarbeit notwendigen interkulturellen und interreligiösen Begegnung
 

Neben den zahlreichen schwerpunktmäßig wissenschaftlich orientierten Kongressen und Konferenzen, die neben dem Wissens- und Erfahrungsaustausch stets auch einen wertvollen interkulturellen und interreligiösen Begegnungscharakter haben, ist an dieser Stelle ein aufwendiges und besonderes Projekt zu nennen: Das zweiwöchige Jugendcamp »Find Your World«. Erstmals sollten Jugendliche aus Judentum, Christentum und Islam miteinander leben. Das Camp in Tirol diente vor allem dazu, die Weltethos-Idee einmal ganz praktisch in den Alltag hineinzunehmen und hineinzuleben – getragen auch von der Grundüberzeugung, daß diese Idee nur dann eine Zukunft haben kann, wenn Jugendliche das Projekt zu leben lernen. Aufwendig und überaus kreativ dokumentiert ist das Jugendcamp in der »Provo«-Ausgabe Nr. 3 vom Oktober 1997, das als Jugendmagazin der Zeitschrift Publik Forum beilag.
 

Auf dem Evangelischen Kirchentag im Juni 1997 in Leipzig hatte Professor Küng zusammen mit seinem Team die Möglichkeit, das Anliegen des Weltethos vor einem großen Publikum auf einer der Hauptveranstaltungen unter dem Leitwort »Das Antlitz der Erde erneuern« vorzustellen. Auf der Europäischen Kirchenversammlung in Graz präsentierte Hans Küng die Weltethos-Idee am 26. Juni 1997. 1998 wurde auf dem Katholikentag in Mainz unter der Moderation von Professor Kuschel das Thema Weltethos unter dem Aspekt der interkulturellen und interreligiösen Herausforderungen auf einem der zentralen Podien diskutiert.
 

Engere und regelmäßige Kontakte kennzeichnen die Beziehungen zur Karl Kübel Stiftung. Dies konnte insbesondere dadurch sehr deutlich zum Ausdruck gebracht werden, daß Professor Küng die Laudatio auf den Träger des Karl Kübel Preises 1997 gehalten hat, der unter dem Leitwort »Familie – religiös und tolerant« vergeben wurde: Ausgezeichnet wurde das Institut für Deutsch-Türkische Integrationsforschung in Mannheim. Ferner wurden fünf weitere interreligiöse Initiativen und Einrichtungen geehrt.
 

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Zum SchluSS
 

Unsere erste große Tätigkeitsbilanz gibt uns nicht nur Anlaß auf das umfangreich Geleistete stolz zu sein, sondern zeigt auch wie gefragt und wie notwendig, wie wichtig und wie wegweisend für das 21. Jahrhundert das Engagement und die zahlreichen Tätigkeiten der Stiftung Weltethos auf den vielen Feldern der interkulturellen und interreligiösen Forschung, Bildung und Begegnung wie auch in der Orientierungsleistung für Mensch, Gesellschaft und Welt sind. Das bislang Erreichte im Kleinen wie im Großen sind Grund und Ermutigung, die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen und sich für ein gemeinsames Ethos in der einen gemeinsamen Welt mit den gegebenen Möglichkeiten und Fähigkeiten einzusetzen.
 

Damit dieses umfangreiche Engagement auch in Zukunft gewährleistet ist, bedarf es insbesondere einer erheblichen finanziellen Unterstützung der Tätigkeiten und Zielsetzung der Stiftung Weltethos, nicht zuletzt um auch kostenintensive Projekte durchführen zu können. Mit den jährlichen Kapitalerträgen der Stiftung werden vor allem die Personal- und laufenden Betriebskosten bestritten.
 

Allen, die in den vergangenen drei Jahren die Stiftung Weltethos in ihren Aktivitäten finanziell oder ideell unterstützt haben, sei hier – den Stiftungsbericht abschließend – ein großer Dank gesagt.
 

Tübingen, im November 1998
 

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