| Dialog der Kulturen |
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Viele Menschen fragen sich angesichts der heutigen Irrungen und Wirrungen:
Wird das 21. Jahrhundert wirklich besser sein als das 20. Jahrhundert
voll von Gewalt und Kriegen? Werden wir eine neue Weltordnung, eine
bessere Weltordnung wirklich erreichen? Im 20. Jahrhundert verpassten
wir 3 Chancen für eine neue Weltordnung: In unseren Tagen treten die Religionen wieder als Akteure in der Weltpolitik in Erscheinung. Es ist wahr, viel zu oft haben die Religionen im Lauf der Geschichte ihre zerstörerische Seite gezeigt. Sie haben Hass, Feindschaft, Gewalt, ja, Kriege angeregt und legitimiert. Aber in vielen Fällen haben sie Verständigung, Versöhnung, Zusammenarbeit und Frieden angeregt und legitimiert. In den letzten Jahrzehnten sind überall auf der Welt verstärkt Initiativen des interreligiösen Dialogs und der Zusammenarbeit der Religionen entstanden. In diesem Dialog entdeckten die Religionen der Welt wieder, dass ihre eigenen ethischen Grundaussagen jene säkularen ethischen Werte unterstützen und vertiefen, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte enthalten sind. Auf dem Parlament der Weltreligionen 1993 in Chicago erklärten über 200 Vertreter und Vertreterinnen aus allen Weltreligionen zum ersten Mal in der Geschichte ihren Konsens über einige gemeinsame ethische Werte, Standards und Haltungen als Basis für ein Weltethos, die dann in den Bericht unserer Expertengruppe für den Generalsekretär und die Vollversammlung der Vereinten Nationen aufgenommen wurden. Was ist dann die Basis für ein Weltethos, wie es Menschen aus allen großen Religionen und ethischen Traditionen teilen können? Erstens das Prinzip der Menschlichkeit: »Jeder Mensch ob Mann oder Frau, weiß oder farbig, reich oder arm, jung oder alt muss menschlich behandelt werden«. Noch deutlicher ausgedrückt ist dies in der »Goldenen Regel« der Gegenseitigkeit: »Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.« Diese Prinzipien werden in vier zentralen Lebensbereichen entfaltet und rufen jeden Menschen, jede Institution und jede Nation dazu auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen: • für eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht
vor allem Leben, Gerade im Zeitalter der Globalisierung ist ein solch globales Ethos absolut notwendig. Denn die Globalisierung von Wirtschaft, Technologie und Kommunikation führt auch zu einer Globalisierung von Problemen auf der ganzen Welt, die uns zu überwältigen drohen: Probleme im Umweltbereich, der Atomtechnologie und der Gentechnologie, aber auch im globalisierten Verbrechen und Terrorismus. In einer solchen Zeit ist es dringend nötig, dass die Globalisierung von Wirtschaft, Technologie und Kommunikation von einer Globalisierung des Ethos unterstützt wird. Mit anderen Worten: Die Globalisierung braucht ein globales Ethos, nicht als zusätzliche Last, sondern als Grundlage und Hilfe für die Menschen, für die Zivilgesellschaft. Herr Präsident, sehr verehrte Delegierte, meine Damen und Herren! Kein Friede unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen. |